02.08.2022

Onlinedating: Mehr sexualisierte Gewalt in der Pandemie

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„Ergebnisse der Recherche-Agentur Vollbild zeigen: In der Corona-Pandemie haben mehr Täter Übergriffe bei Treffen über Dating-Apps verübt.

Sexualisierte Übergriffe bei Dates, die über Online-Vermittlung stattgefunden haben, haben in den vergangenen zwei Jahren der Corona-Pandemie offenbar zugenommen. Das zeigt eine Recherche der SWR-eigenen Agentur Vollbild, die am Dienstag bei der Tagesschau veröffentlicht wurde.

Das Recherche-Team habe bundesweit mehr als 600 Beratungsstellen für Opfer sexualisierter Gewalt kontaktiert. Demnach haben dort seit der Pandemie die gemeldeten Übergriffe bei Treffen über Dating-Apps zugenommen.

Behörden haben keine Statistik mit Faktor Onlinedating

Als Beispiel wird der Frauennotruf Kiel genannt. Dort hätten sich seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 mindestens 100 Betroffene sexualisierter Gewalt über eine Dating-Plattform beraten lassen. „Vereinzelt hat es diese Fälle schon vor Pandemiebeginn gegeben, in der Konzentration ist es jedoch auffällig, dass seit 2020 ein enormer Anstieg zu beobachten ist“, zitiert der Bericht Natalie Wiemers, Beraterin beim Frauennotruf Kiel.

Weil sich während der Pandemie viele Menschen einsam gefühlt hätten, sei auch die Nutzung von Onlinedating angestiegen. Dazu waren viele öffentliche Orte monatelang geschlossen – Dates in Kneipen, Bars oder Theatern waren nicht möglich. So verabredeten sich viele Menschen zu Hause. Diese beiden Umstände hätten die Möglichkeit für sexualisierte Übergriffe vereinfacht und die Anzahl der gemeldeten Fälle sei gestiegen.

Den Behörden liege demgegenüber keine offizielle Statistik zu sexualisierter Gewalt im Zusammenhang mit Onlinedating vor. Die Fälle werden bei der Polizei oder dem Bundeskriminalamt nicht nach diesem Faktor erfasst.

Hinzu kommt, dass viele Betroffene die Übergriffe nicht angezeigt haben. So vermutet die Rechtsanwältin Cristina Clemm, die in Berlin seit mehr als 25 Jahren im Familien- und Strafrecht gegen sexualisierte Gewalt kämpft, dass viele befürchten, ihnen würde bei Erstattung einer Anzeige nicht geglaubt. Viele befürchten außerdem Rache durch den Täter. Weiter sagt Clemm: „Viele schämen sich, trauen sich nicht, das zu offenbaren. Und viele brauchen auch einfach relativ lang, um das so richtig für sich zu realisieren, was da eigentlich geschehen ist.““

Quelle: Berliner Zeitung

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