11.04.2023

Die Eltern-Kind-Corona Studie - Wie ging es Waldorfeltern und ihren Kindern in der dritten Welle der Pandemie?

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Wie ging es Waldorfeltern und ihren Kindern in der dritten Welle der Pandemie? Danach fragte die jetzt veröffentliche Studie „Lessons Learned – Die Auswirkungen der dritten Welle der COVID-19-Pandemie auf den Unterstützungsbedarf deutscher Waldorfeltern und ihre Einschätzung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ihrer Kinder: Eine Querschnitts-Online-Umfrage“, auch ElKiCor, im Peer-Review-Verfahren.

Zeit der Bilanzen: Die Corona-Pandemie und ihre Folgen für die Kinder und Jugendlichen beschäftigen wieder die aktuellen Schlagzeilen. Vor wenigen Wochen forderte auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) eine Aufarbeitung der Corona-Pandemie. „Unbedingt“ müsse es eine solche Analyse geben, sagte Lothar Wieler in einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“, „denn wir müssen ja daraus für die Zukunft lernen“.

Die Studie ElKiCor entstand unter der Leitung von Dr. med. Jan Vagedes (Universität Tübingen und Arcim-Institut Filderklinik) in Zusammenarbeit mit Dr. Karin Michael und Prof. Dr. Tomáš Zdražil vom von Tessin-Zentrum für Gesundheit und Pädagogik an der Freien Hochschule Stuttgart. Beratende Unterstützung gab es dabei u.a. von Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), der Autorin der wegweisenden COPSY-Studie.

COPSY (COVID-19 undPSYchological Health) war die erste deutschlandweite repräsentative Studie, welche die psychische Gesundheit und Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen während aller drei Wellen der Pandemie untersuchte. Das Ergebnis lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Die COVID-19-Pandemie führt zu einer psychischen Gesundheitsgefährdung der Kinder und Jugendlichen“, hieß es dort bereits nach der ersten Untersuchung.

In der jetzt vorliegenden ElKiCor-Studie zur Situation der Familien an Waldorfschulen wurden Fragebögen von 431 Eltern von 511 Waldorfschülern im Alter von 7 bis 17 Jahren ausgewertet. Die Begutachtung der Studie erfolgte im Peer-Review-Verfahren und zeigt, dass mehr als zwei Drittel (70,8 %) einer Stichprobe von Waldorfeltern in Deutschland während der dritten Welle der COVID-19-Pandemie Unterstützung im Umgang mit ihren Kindern benötigten. Dieser Bedarf wurde angegeben, obwohl die Eltern die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) ihrer Kinder als vergleichsweise gut einschätzten und trotz der Tatsache, dass die Waldorfstichprobe von guten Wohnbedingungen berichtet.

Unter Waldorfeltern, die Unterstützung brauchten, waren die am häufigsten angegebenen Probleme mit Unterstützungsbedarf der Umgang mit schulischen Anforderungen, der Umgang mit den Emotionen und Stimmungen ihres Kindes und der Umgang mit dem Verhalten ihres Kindes. Auf die Frage, wie oder von wem sie gerne Unterstützung erhalten würden, nannten Waldorfeltern am häufigsten Schule und Lehrer (65,6 %), persönliche Treffen mit einem Experten (47,7 %) und Freunde und Familie (37,6%).

Die Ergebnisse stimmen mit der weltweiten Forschung überein, die die Besorgnis der Eltern über die schulischen Leistungen und den mentalen Zustand ihrer Kinder und den Bedarf an Unterstützung während des Homeschooling hervorhebt. Wenn man die Ergebnisse der 2015 erschienen WEiDE-Studie (Waldorf-Eltern in Deutschland) mit einbezieht, wird deutlich:
Eltern an Waldorfschulen stellen hohe Ansprüche an sich selbst und an die Schule, die über einen Ort der reinen Wissensvermittlung hinaus den Kindern bestmögliche Bedingungen für die Entfaltung ihrer Persönlichkeit und individuellen Stärken bieten soll. Waldorfeltern sind werteorientiert.
Darüber hinaus konnten Bestandteile des typischen Waldorfunterrichts kaum im Homeschooling stattfinden, insbesondere die künstlerisch-phantasievollen und lebenskundlichen/praktischen Komponenten, die in der Waldorfpädagogik als wichtig für die gesunde Entwicklung von Kindern angesehen werden. Stattdessen nahmen digitales Lernen und Mediennutzung zu.
Dies mag zu den elterlichen Bedenken und dem selbst wahrgenommenen Unterstützungsbedarf beigetragen haben.
Eine Schule mit einem besonderen pädagogischen Konzept wie das der Waldorfschule sollte damit rechnen, möglicherweise besonders hohen Erwartungen seitens der Eltern zu begegnen und in Zeiten wie der Pandemie mit Schulschließungen und Homeschooling auf einen relativ gesehenen erhöhten elterlichen Unterstützungsbedarf vorbereitet zu sein, heißt es in den Schlussfolgerungen der Studie.

Ein Service des deutschen Präventionstages.
www.praeventionstag.de

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