13.02.2024

Menschenfeindlichkeit: Gift für die Medizin und unser Zusammenleben

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Rechtspopulistische und auch rechtsextreme Strömungen haben in unserer Gesellschaft in den vergangenen Jahren an Einfluss gewonnen. Dabei werden antidemokratische, rassistische und zutiefst menschenfeindliche Ressentiments geschürt. Diese allgemeingesellschaftlichen Tendenzen machen auch vor dem Gesundheitswesen nicht Halt. Anfang dieses Jahres hat sich diese Situation noch einmal zugespitzt. Diese Entwicklung nimmt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zum Anlass für eine klare Positionierung:

Aus der „Deklaration von Genf – Das ärztliche Gelöbnis“ des Weltärztebundes: „Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten.“

In Deutschland sind Ärztinnen und Ärzte dem Genfer Gelöbnis verpflichtet. Im Dritten Reich begingen zwischen 1933 und 1945 Mediziner / Medizinerinnen und Wissenschaftler / Wissenschaftlerinnen grausame Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Diese Verbrechen dürfen sich niemals mehr wiederholen.

Als medizinische Fachgesellschaft sowie als angehende und praktizierende Hausärzte / Hausärztinnen und Wissenschaftler / Wissenschaftlerinnen fühlen wir uns verpflichtet, uns jedweden Strömungen und Gedanken, die rassistisches, antidemokratisches und menschenfeindliches Gedankengut beinhalten, entgegenzustellen. Hausärztliche Praxen, hausärztliche Sprechzimmer, aber auch allgemeinmedizinische Institute, sind den Geboten der Menschlichkeit verpflichtet. Sie stehen allen Menschen offen – unabhängig von ihrer Herkunft, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglichen anderen Faktoren.

Wissenschaft, aber auch Praxen, begrüßen nicht nur Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Patienten und Patientinnen anderer Herkunft in ihrer Mitte – sie wünschen sich vielmehr den Austausch mit ihnen, denn unser Land wäre ohne sie in jeder Hinsicht ärmer. Unser Gesundheitssystem, die ambulante Versorgung, die wissenschaftliche Forschung würden ohne die Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern nicht nur ärmer an Erfahrung und Expertise sein – sie würden kollabieren. Vor diesem Hintergrund warnen wir ausdrücklich davor, Menschen einen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft abzusprechen. Unsere Sprechzimmer, Praxen und Arbeitsplätze stehen allen offen. Dafür stehen wir in jeder Hinsicht ein, dafür engagieren wir uns.

Für uns gelten die Worte von Margot Friedländer, Überlebende des Holocaust: „Ich sage, seid Menschen. Wir sind alle gleich. Es gibt kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Alles ist gleich. Wenn ihr Menschen seid, dann werdet ihr wissen, dass ein Mensch so was nicht machen würde.“

Ein Service des deutschen Präventionstages.
www.praeventionstag.de

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