12.05.2022

Wie junge Menschen für eine nachhaltige Zukunft kämpfen

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Die Klimakrise bereitet vielen jungen Menschen weiterhin große Sorgen, zusätzlich werden sie von neuen Krisen wie dem Ukraine-Krieg belastet. Das hat ernsthafte Folgen für die psychische Gesundheit und lässt Fragen von Generationengerechtigkeit ganz konkret werden. Bereits seit einigen Jahren bringen junge Menschen Fragen der Verantwortung der Älteren gegenüber den Jüngeren stärker in Umwelt- und Klimadebatten ein. In einer neuen Publikation zeigen IASS-Forschende, wie eine nachhaltige Zukunft zu einem wichtigen Thema des klimapolitischen Diskurses wurde.

„Künftige Generationen werden in der Politik aufgrund von deren Gegenwartsorientierung häufig nicht berücksichtigt. Gerade in Demokratien ist diese Tendenz ausgeprägt, da Politikerinnen und Politiker stark auf Maßnahmen setzen, die sich innerhalb kurzer Zeit auszahlen, auch mit Blick auf ihre Wiederwahl“, erläutert Leitautorin Henrike Knappe (IASS). Seit 2018 erfahre das Thema Generationengerechtigkeit aber eine stärkere Rolle in der öffentlichen Debatte, auch ausgelöst durch Extremwetterereignisse und den Beginn der Fridays-For-Future-Bewegung. In ihrem Artikel analysieren Knappe und IASS-Direktor Ortwin Renn, was Jugendakteure unter Generationengerechtigkeit und, darüber hinausgehend, unter „nachhaltigen Zukünften“ verstehen.  

UN-Jugendnetzwerk fordert geregelte Einbindung in Entscheidungen

Im Zentrum der Untersuchung stehen zwei globale Jugendnetzwerke: die Major Group for Children and Youth der Vereinten Nationen (MGCY) und Fridays for Future (FFF). Die MGCY ist fest ins UN-System eingebunden, ihre Sprecherinnen und Sprecher sowie internationalen Konferenzteilnehmenden rekrutieren sich oft aus europäischen und nordamerikanischen Nichtregierungsorganisationen. Eine ihrer Hauptforderungen ist die geregelte Einbindung von zivilgesellschaftlichen Akteuren, die sich für Generationengerechtigkeit engagieren, in politische Entscheidungsprozesse. Die MGCY-Mitglieder identifizieren sich als legitime Vertreterinnen und Vertreter zukünftiger Generationen. Generationengerechtigkeit verstehen sie auch als etwas, das nicht erst irgendwann in ferner Zukunft zu erwarten ist, sondern sich bereits jetzt entwickeln muss, weil unmittelbare Gefahren in Form von Klimawandel und Überschreitung planetarischer Grenzen drohen.

Fridays for Future lenkt Aufmerksamkeit auf Nord-Süd-Gefälle

Fridays for Future hingegen ist ein informeller Zusammenschluss sozialer Bewegungen, der seine Mitglieder, Unterstützerinnen und Unterstützer aus Gruppen in der ganzen Welt bezieht. Die FFF-Aktivistinnen und -Aktivisten weisen häufig darauf hin, dass Klimagerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit Hand in Hand gehen. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf die eklatanten Ungleichheiten zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden. Die Einbeziehung der Jugend sehen sie als entscheidenden Faktor für eine gerechte und nachhaltige Zukunft. Bei FFF finden sich viele Stimmen aus dem Globalen Süden, die sich kritisch über globale Ungleichheiten äußern. Sie reflektieren auch über ihre eigenen unmittelbaren Erfahrungen mit dem Klimawandel, der keine Angelegenheit der Zukunft ist, sondern Teil ihres gegenwärtigen Alltags.

Debatte über nachhaltige Zukünfte kann Klimapolitik voranbringen

Insgesamt erkannten die Forschenden bei beiden Gruppen eine Hinwendung von der langfristigen Zukunft hin zu gegenwärtigen Erfahrungen mit den direkten Auswirkungen des Klimawandels. „Der Begriff ‚Generationengerechtigkeit‘ umfasst für sie sowohl intragenerationelle als auch intergenerationelle Ungleichheit – sie kämpfen also gegen Ungleichheiten zwischen Gleichaltrigen, vor allem mit Blick auf die verschiedenen Weltregionen, aber auch gegen Ungleichheiten zwischen Menschen unterschiedlichen Alters und heute noch nicht Geborenen“, erläutert Henrike Knappe. Die zunehmende Rolle, die nachhaltige Zukünfte in der politischen Debatte spielen, könne eine ehrgeizigere Klimapolitik fördern.

Ein Service des deutschen Präventionstages.
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