14.11.2022

Digitale Gewalt: Prävention nur durch Perspektivwechsel möglich

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Das Projekt „digi.NOW – Im Dialog gegen digitale Gewalt“ der SRH Hochschule Heidelberg und der Caritas der Erzdiözese Wien setzt bei den Lebenswelten der Jugendlichen an.

Cybermobbing, Cyberstalking oder Cybergrooming: Digitale Gewalt kennt viele Formen und nimmt mit der steigenden Digitalisierung zu. Das Projekt „digi.NOW – Im Dialog gegen digitale Gewalt“ der SRH Hochschule Heidelberg und der Caritas der Erzdiözese Wien bietet ein Qualifizierungsangebot für Fachkräfte der pädagogischen Praxis im Donauraum zur Prävention digitaler Gewalt. Hier stehen die Erlebniswelten junger Menschen im Mittelpunkt. Das Projekt mit einem Gesamtvolumen von über 17.000 Euro wird von der Baden-Württemberg Stiftung im Programm „Perspektive Donau“ gefördert und hat eine Laufzeit vom 1. September 2022 bis 31. Mai 2023.

„Um digitaler Gewalt gegen junge Menschen präventiv zu begegnen, müssen wir beziehungsweise die pädagogischen Fachkräfte an die medialen Erlebenswelten von Jugendlichen andocken“, erklärt Katharina Kärgel, Leiterin des Projekts digi.NOW und akademische Mitarbeiterin an der SRH Hochschule Heidelberg. Gemeinsam mit Rachel Cylus und Dr. Frederic Vobbe, Professor für Soziale Arbeit an der SRH Hochschule Heidelberg, entwickelt sie vier Workshops, die junge Menschen und Fachkräfte genau hierzu in den Dialog bringen. Viele Präventionsmaterialien adressieren Kinder und Jugendliche mit Verhaltensimperativen, wie beispielsweise der Empfehlung, keine Fotos mit freiem Oberkörper auf Social Media einzustellen, sagt das Forschungsteam. Katharina Kärgel hält fest: „Diese Risikodiskurse orientieren sich aber nicht an den Lebenslagen junger Menschen. Sie übertragen die Verantwortung auf die Opfer und verstärken bei ihnen Scham- und Schuldgefühle durch die unterschwellige Suggestion, wider besseren Wissens Risiken eingegangen zu sein.“ Statt Risikominimierung setzt das Konzept von digi.NOW auf eine medienpositive Haltung und die Befähigung zu einer geschützten und grenzwahrenden Nutzung digitaler Medien.

Bereits im Forschungsprojekt HUMAN (gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01SR1711 von 12/18 bis 04/21) und dem Folgeprojekt) ByeDV (kofinanziert durch das Programm Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft (2014-2020) der Europäischen Union unter der Fördernummer 10100522 von 05/21 bis 04/23) setzte sich das Forschungsteam mit sexualisierter Gewalt in digitalen Medien auseinander. Auf Basis dieser Ergebnisse konnten die Wissenschaftler:innen Handlungsempfehlungen für pädagogische Fachkräfte ableiten, die sie in das Projekt digi.NOW einbringen.

Der erste Workshop startet im Januar 2023. „Vor dem Hintergrund der zunehmenden digitalen Gewalt gegen junge Menschen ist uns dieses Projekt sehr wichtig, um unsere pädagogischen Fachkräfte wie Lehrkräfte oder Sozialarbeiter:innen für die Problemlage der Jugendlichen zu sensibilisieren und gemeinsam an Problemlösungen zu arbeiten“, betont Margerita Piatti von der Caritas der Erzdiözese Wien, die sich seit einigen Jahren intensiv mit dem Thema Cybergewalt, unter anderem im Rahmen eines EU Projektes (POWER), auseinandersetzt.

 

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