07.01.2020

Keine politische Spaltung Deutschlands: Die „Mitte“ bleibt stabil

Das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (GESIS) hat in seinem Informationsdienst Soziale Indikatoren (ISI 63) eine Politbarometeranalyse veröffentlicht. In einer Presseinformation des GESIS heißt es u.a.: "Entgegen gesellschaftlicher und medialer Spaltungsdebatten gibt es in Deutschland eine konstante politische Mitte – sowohl auf Seiten der Wählerschaft als auch im wahrgenommenen Parteienspektrum – mit einer leicht erkennbaren Tendenz ins gemäßigt linke Spektrum. Immer häufiger fällt in öffentlichen Diskursen zum Zustand der deutschen Gesellschaft der Begriff der „Spaltung“. Helmut Klages und Sebastian Will von der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer gehen in ihrem Beitrag der Frage nach, ob sich eine solche Spaltung tatsächlich ausmachen lässt, und greifen dazu auf Daten aus dem Politikbarometer zurück, die die Selbstverortung von Wählerinnen und Wählern im Links-Rechts-Spektrum abbilden, sowie deren Einschätzung der Positionierung politischer Parteien in diesem Spektrum. Den Befragten stand eine elfteilige Skala von sehr rechts (1) bis sehr links (11) zur Auswahl, bei der 6 die exakte Mitte bildet. Die Ergebnisse der Forscher widersprechen der These eines „Rechtsrucks“ und einer zunehmenden Spaltung politischer Einstellungen in Deutschland: Innerhalb des erfassten Zeitraums von 1997 bis 2017 stuften sich etwa 60% der Teilnehmenden konstant mit nur geringen Schwankungen im mittleren Bereich des politischen Spektrums ein. Der größere Teil außerhalb der Mitte ordnet sich im gemäßigt linken Spektrum ein, hier ist eine leichte Zunahme zu beobachten. Im rechten Spektrum hingegen ist seit 2013/2014 eine leicht abnehmende Tendenz zu verzeichnen.

Auch im Hinblick auf den Vergleich zwischen Ost und West können die Forschenden keine politische Spaltung ausmachen: Die Unterschiede sind gering, auch in Ostdeutschland dominiert die Selbstverortung bei der politischen Mitte, wenn auch mit Werten zwischen 50 und 60% etwas schwächer ausgeprägt als in Gesamtdeutschland. Im rechten Spektrum ordnen sich in Ostdeutschland weniger Menschen ein als im gesamtdeutschen Schnitt, die linke Selbstverortung ist demnach über den gesamten Zeitraum stärker und auch hier findet eine Linksdrift statt."

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