09.09.2020

Grußwort des Bundespräsidenten für den 25. Deutschen Präventionstag

Am 28. und 29. September 2020 feiert der Deutsche Präventionstag seinen 25. Geburtstag. Es ist der erste Jahreskongress in 25 Jahren, der nicht als Präsenzveranstaltung, sondern aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus SARS-CoV.2 rein digital veranstaltet wird.

Die Schirmherrschaft des Jubiläumskongresses hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übernommen. Sein unten stehendes vollständiges Grußwort, hat er im März vor der Corona-Pandemie verfasst. Aus diesem Grund enthält es keinen Bezug zu der Krise und den aktuellen (politischen) Entwicklungen. Gerne hätte der DPT ihn live im Fernsehen zur Eröffnung begrüßt, aufgrund der vielen Verschiebungen von Terminen, Reisen und Veranstaltungen, ist es ihm aber leider nicht möglich vor Ort zu sein. 

Das Signal seiner Schirmherrschaft für den diesjährigen Deutschen Präventionstag mit dem Schwerpunktthema „Smart Prevention Prävention in der digitalen Welt“, bleibt natürlich erhalten und zeigt den hohen Stellenwert der Gewalt- und Kriminalprävention in Deutschland. Er spricht die Aktiven der Präventionslandschaft direkt an und lobt deren Engagement, das „zur Zurückgewinnung von Vernunft und Zivilität“ beiträgt.

Vollständiges Grußwort (verfasst Anfang März 2020)

„Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

als ich vor einem Jahr zur Schirmherrschaft über das 25. Jubiläum des Deutschen Präventionstages eingeladen wurde, freute ich mich darauf, Ihnen schwungvoll zu diesem herausragenden Fachforum und einem Vierteljahrhundert Vernetzung zu gratulieren. Die Gründe dafür sind unvermindert vorhanden, aber nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit, dem Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke und den Attentaten von Halle und Hanau mit zwölf Toten, ist wohl den wenigsten von Ihnen nach einer Geburtstagsfeier zumute. Unser Land hat Monate voller Entsetzen und Trauer erlebt.

Die Rufe nach Prävention sind so laut wie selten zuvor seit der Gründung dieses Kongresses – auch die kritischen Nachfragen: Hat Deutschland aus den Fehlern rund um den sogenannten ‚Nationalsozialistischen Untergrund‘ nichts gelernt? Tun wir genug, um Rechtsextremismus und all die oft kleingeredeten Vorkommnisse im Alltag – rassistisches, antisemitisches oder auf andere Weise herabsetzendes Verhalten – entschieden zu bekämpfen? Die Bundesregierung hat mehrere Gesetzespakete auf den Weg gebracht, auch in den Ländern und Kommunen ist einiges in Bewegung gekommen. Viele haben erkannt, wie sehr sich das gefährliche Klima von Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft ausgebreitet hat. Es ist längst kein Phänomen der Ränder mehr. Erst recht kein Problem der ‚Anderen‘. Wenn mir Bürgermeister erzählen, dass ihnen mit dem Galgen gedroht wird, oder Feuerwehrleute, wie oft Schaulustige wichtige Rettungswege blockieren, dann steht für mich außer Zweifel: Wir alle sind betroffen. Und wir alle müssen aktiv werden.

Sie, meine Damen und Herren, können mit Ihrer haupt- oder ehrenamtlichen Arbeit gerade jetzt ganz wesentlich zu einer der größten Aufgaben in unserer Gesellschaft beitragen: zur Zurückgewinnung von Vernunft und Zivilität. Denn Sie sind es, die als Sozialarbeiterin oder Dozent der politischen Bildung unmittelbar mit Menschen ins Gespräch kommen. Sie sind es, die Online-Foren moderieren oder als Stadtteilmutter Solidarität vorleben. Und Sie sind es auch, die dieses Jubiläumsjahr zum Anlass nehmen können, um Bilanz zu ziehen: Welche Programme und Projekte haben sich bewährt – und wo braucht Prävention neue Konzepte? Wo waren Personal, Zeit und Geld am richtigen Platz – und wo muss nachgelegt oder umgesteuert werden? Nicht zuletzt: Was muss geschehen, um noch größere oder andere Teile der Bevölkerung gezielt zu erreichen?

‚Smart Prevention‘, die Sie sich als Schwerpunktthema vorgenommen haben, kann dafür ein Schlüssel sein. Wir brauchen Instrumente, um strategisch angelegte Manipulationen im Netz aufzudecken und diejenigen, die damit ihr demokratiezerstörerisches Werk betreiben, zu entlarven. Mit diesem Wissen können wir die schweigende demokratische Mehrheit aufklären und Radikalisierung besser entgegentreten. Und dafür bietet der digitale Raum noch viele ungenutzte Potenziale: zeitgemäße Kanäle und Kommunikationsformen. Wir sollten ihn uns zurückerobern.

Für solche wichtigen Debatten 2020 wünsche ich Ihnen Entschlossenheit und vor allem: ein breites Echo.

Frank-Walter Steinmeier“

Das Grußwort des Bundespräsidenten finden Sie auch im Kongresskatalog (Seite 8-9), den der DPT zum eigentlichen Kongresstermin angefertigt hat.

Das aktuelle Kongressprogramm als DPT-TV mit 14 Prävinaren, einem Prevention-Slam, einem Livehack und hochkarätig besetzen Live-Podiums-Diskussionen, finden Sie auf unserer Website: praeventionstag.de/go/dpt-tv

Die Pressemitteilung anlässlich zur Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier finden Sie in unserem Pressebereich. Genau wie die letzte Presseinformation zum Online-Programm.

Ein Service des deutschen Präventionstages.
www.praeventionstag.de


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