Lässt sich Leaking im Vorfeld einer Tat entdecken?

Prof. Dr. Rebecca Bondü
Psychologische Hochschule Berlin
Laura Tampe
Psychologische Hochschule Berlin

Leaking umfasst direkte Ankündigungen von schweren Gewalttaten sowie themenspezifisches Verhalten, welches auf eine Tatplanung hindeuten könnte. Bis dato wurde die Möglichkeit, wie Leaking im Vorfeld einer terroristischen Tat am besten zu ermitteln ist, kaum beforscht. Die aktuelle Studie untersucht mittels Aktenanalyse die häufigsten Zeugen von Leaking, das Meldeverhalten sowie die Erfassung von Leaking durch die Polizei. Vorläufige Ergebnisse von 99 Leakings von 19 islamistischen Tätern zeigten, dass diese Leakings meist in persönlichen Gesprächen (52%) oder per Chat (23%) äußerten. Am häufigsten stammten die Zeugen aus dem direkten Umfeld des Täters (Freunde: 24%, Mitbewohner: 15%) und/oder waren ebenfalls Mitglieder der extremistischen Szene (11%). Nur 4% der Leakings wurden der Polizei gemeldet, nur 9% noch vor der Tat/Festnahme durch die Sicherheitsbehörden ermittelt. Da Leaking ein wichtiges Warnsignal darstellt, werden Maßnahmen benötigt, die eine zuverlässige Erfassung von Leaking durch die Sicherheitsbehörden und somit eine adäquatere Risikoeinschätzung ermöglichen. Konkrete Handlungsempfehlungen zur Erhöhung der Meldebereitschaft (z.B. durch Aufklärung der Gesellschaft) und Ermittlung von Leaking (z.B. durch Überwachung von Chatverläufen) sollen unter besonderer Berücksichtigung ethischer und rechtlicher Fragen sowie praktischer Umsetzbarkeit diskutiert werden.

verwandte Schlüsselbegriffe

Prävention Islamismus Terrorismus