Urbane Disorder-Phänomene und Kriminalitätsfurcht

Joachim Häfele
Hafencity University Hamburg

Unter urbanen Disorder-Phänomenen (Incivilities) werden in der kriminologischen Literatur abweichende Handlungen und/oder Handlungsspuren wie öffentlicher Drogenkonsum, Betteln, öffentlicher Alkoholkonsum, herumhängende Jugendliche (social disorder), Graffiti, Abfall im öffentlichen Raum oder verlassene und verwahrloste Wohngebäude (physical disorder) zusammengefasst. Größere und globale Aufmerksamkeit erreichte die Frage nach der Bedeutung von urbanen Disorder-Phänomenen für die Entstehung von Kriminalitätsfurcht und Kriminalität vor allem durch das Erscheinen des Broken-Windows-Aufsatzes von Wilson und Kelling (1982). Doch trotz des hohen Stellenwertes, den der Broken-Windows-Ansatz seit längerer Zeit auf wissenschaftlicher, politischer und medialer Ebene eingenommen hat, liegen in Deutschland bisher nur wenige Studien zur Überprüfung dieses Ansatzes vor. Dies verwundert umso mehr, wenn man sich die anhaltend hohe kriminalpolitische Relevanz dieses Ansates vor Augen führt, die seit Anfang der 90er Jahre zur Implementierung einer Vielzahl von Maßnahmen und Programmen zur Ver¬hinderung und Sank¬tio¬nier¬ung von Incivilities in fast allen größeren deutschen Städten geführt hat.

Im Rahmen des Vortrages sollen zentrale Ergebnisse einer jüngst in Hamburg durchgeführten Studie zur empirischen Überprüfung des Broken-Windows-Ansatzes vorgestellt und diskutiert werden.

verwandte Schlüsselbegriffe

Kriminalität Kriminalitätsfurcht