Prävention im Bereich der Online-Radikalisierung: Ergebnisse der Wirkungsevaluation eines interaktiven Kommunikats

Prof. Dr. Stephan L. Thomsen
Leibniz Universität Hannover

Radikalisierung verursacht erhebliche politische, gesellschaftliche und ökonomische Kosten. Da sie zunehmend in den sozialen Medien erfolgt, haben die Sicherheitsbehörden begonnen, diese Kanäle für entsprechende Präventionsmaßnahmen zu nutzen. Die vorliegende Studie evaluiert die Wirkung einer Online-Maßnahme in Form eines gamifizierten Films auf die individuelle Radikalisierungsintention. Dazu wurde im Herbst 2021 ein randomisiert kontrolliertes Online-Feldexperiment über zwei Erhebungswellen mit insgesamt 7.228 Beobachtungen durchgeführt. Zur Operationalisierung der Radikalisierungsintention wurden angepasste Versionen der Activist-Radicalism-Intention-Scale (ARIS), Actvist-Intention-Scale (AIS), Radicalism-Intention-Scale (RIS) und Sympathy for Violent Radicalization and Terrorism Scale (SyfoR) verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Online-Maßnahme die Radikalisierungsintention grundsätzlich verringert. Für alle vier Ergebnisgrößen lassen sich direkt im Anschluss signifikant negative Effekte zwischen 10,7% (AIS) und 17,7% (RIS) einer Standardabweichung beobachten. Nach zwei Wochen zeigen sich vor allem bei der Hauptzielgruppe der 18-24-Jährigen noch signifikante Effekte. Aus diesen Ergebnissen lässt sich schlussfolgern, dass die interaktive Online-Maßnahme einen sinnvollen Baustein einer modernen, zielgruppenorientierten Präventionsstrategie bildet.
Evaluating an Interactive Film on the Prevention of Political Radicalization (LINK)Deutsch
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