13.05.2021

Was man gegen Radikalisierung tun kann und sollte

Neue wissenschaftliche Impulse für die Prävention von Extremismus

Ein Forschungsgutachten der Friedrich-Schiller-Universität Jena liefert neue Erkenntnisse für Fachkräfte, die sich im Bereich der Prävention von Extremismus engagieren. Das Gutachten beruht auf einem entwicklungsorientierten Ansatz und bietet konkrete Hinweise für erfolgversprechende Prävention in ganz unterschiedlichen Bereichen wie Schule, Jugend- und Sozialarbeit, Medienpädagogik, Justiz oder Polizei. Das Gutachten Entwicklungsorientierte Radikalisierungsprävention. Was man tun kann und sollte“ (Beelmann/Lutterbach/Rickert/Sterba 2021) wurde vom Landespräventionsrat Niedersachsen im Rahmen des Landesprogramms für Demokratie und Menschenrechte gefördert.

Entwicklungsorientierte Prävention

Der Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Andreas Beelmann zeigt in der Forschungsarbeit, dass Radikalisierung nicht plötzlich geschieht, sondern sich „als Resultat ungünstiger Entwicklungsprozesse im Lebenslauf charakterisieren (lässt), die sich kumulativ aufschaukeln“. Er hat mit seinem Forscherteam über Tausend wissenschaftliche Arbeiten ausgewertet und die spezifischen individuellen, sozialen und gesellschaftspolitischen Faktoren vom frühen Kindesalter bis ins Erwachsenenleben zusammengefasst, die dazu beitragen, dass Menschen sich radikalisieren. Er entwickelt daraus erstmals ein Modell, das mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten Radikalisierungsprozesse und Extremismus vorhersagen kann und daraus gezielte Maßnahmen ableitet, um extremistische Entwicklungen zu stoppen.

Das Radikalisierungsmodell

Extremismus ist nach Beelmann in erster Linie ein soziales Gruppenphänomen und lässt sich zusammenfassend auf problematische Entwicklungen in vier Kernbereichen zurückführen:

  • auf frühe Ausprägung von stabilen Vorurteilen,
  • Störungen bei der Entwicklung der Identität im Jugendalter,
  • Hinwendung zu extremistischen Ideologien und
  • erhöhte Gewaltbereitschaft.

In diesen Bereichen ließen sich umgekehrt gezielt Schutzfaktoren aufbauen.

Handlungsempfehlungen für die Praxis

Für die Anwendung in der Praxis präsentieren die Wissenschaftler schließlich eine lange Liste von Handlungsempfehlungen für Präventionsmaßnahmen, die für die Arbeit verschiedener Professionen relevant sein kann.  

Dazu gehört unter anderem, mit gezielten Programmen schon ab dem frühen Kindesalter Toleranz zu üben und Anderssein zu akzeptieren, im Jugendalter Selbstwert und Anerkennung zu fördern sowie die Widerstandsfähigkeit gegen Ideologien zu erhöhen. Stärkung von Medienkompetenz, politischer Bildung und demokratischer Beteiligung werden als nachweislich wirksame Instrumente genannt, die zum Schutz vor Radikalisierung beitragen können.

 


 

Ein Service des deutschen Präventionstages.
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