12.01.2012

Übergewicht bei Kindern - Forschungsbefunde zu Präventionsansätzen

Die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung (bvpg) weist auf ihrer Webseite auf eine Metaanalyse mit 37 Studien und 27.946 Kindern im Alter von sechs bis 12 Jahren hin. Die systematische Auswertung aller 55 bis zum Jahr 2010 abgeschlossenen randomisierten kontrollierten Studien über den Nutzen und die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen gegen Übergewicht oder Fettsucht bei Kindern (darunter 37 neuere Studien) in der aktuellen Fassung eines Cochrane-Reviews liefert ein zwiespältiges Ergebnis: Einerseits empfehlen die Reviewer einen vorsichtigen Umgang mit den Ergebnissen, wegen der Heterogenität der Studien und den Schwierigkeiten, die Wirkung einzelner Interventionen und Programme zu identifizieren. Andererseits nennen sie aber Maßnahmen, die sie als präventiv nützlich bewerten.

In den als nützlich bewerteten Programmen spielten vor allem die folgenden Aktivitäten und Komponenten die zentrale Rolle:

  • ein Curriculum zur Prävention von kindlichem Übergewicht, das zum einen die Elemente gesunde Ernährung, körperliche Bewegung und Körperbild umfasste und zum anderen so weit wie möglich in den normalen schulischen Lehrplan integriert war;
  • mehr Angebote zur körperlichen Bewegung und zur Entwicklung fundamentaler Bewegungsfertigkeiten während der gesamten Schulwoche und nicht nur an einem einzigen Stundenplan-Platz;
  • verbesserte Qualität der Nahrungsmittel, welche die SchülerInnen in der Schule erhalten bzw. erwerben konnten;
  • Entwicklung und Gestaltung einer Umgebung und Kultur, die Kinder dabei unterstützten, jeden Tag wie selbstverständlich nährstoffreiche Lebensmittel zu essen und aktiv zu bleiben;
  • Unterstützung durch LehrerInnen und anderes Schulpersonal bei ihren Versuchen, Gesundheitsförderungs-strategien und -Aktivitäten im Schulalltag zu implementieren (z.B. durch Weiterbildung und den Auf- und Ausbau von Informations- und Managementressourcen);
  • gemeinsame gesundheitsfördernde Aktivitäten mit Eltern, um die Schüler auch zu Hause anzuhalten, aktiver zu sein, mehr nährstoffreiche Nahrung zu sich zu nehmen und weniger Zeit vor Bildschirmen zu verbringen.

Angesichts der Fülle der bisher veröffentlichten Studien und der Anzahl noch laufender Studien empfehlen die Reviewer ferner, keine weiteren Interventionsstudien mehr zu starten, die eine kurze Laufzeit haben und vorrangig auf das individuellen Verhalten von Schulkindern im Alter von sechs bis 12 Jahren gerichtet sind. Stattdessen sollten Studien mit mehr TeilnehmerInnen, längerer Laufzeit, Kosten-Nutzen-Analysen und einer Analyse der unerwünschten Wirkungen untersuchen, welche der vielen Einzelaktivitäten und Maßnahmenbündel ein optimales Angebot für Interventionen auf der Bevölkerungsebene darstellen. Zusätzlich sollten künftig mit Vorrang die Evidenzlücken für präventive Interventionen bei 0-3-jährigen Kindern und Heranwachsenden geschlossen werden.

Ein Service des deutschen Präventionstages.
www.praeventionstag.de


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