
Cloud Report 2026
Weitere News
zu dem Thema
Die deutsche Wirtschaft sieht eine immer stärkere Abhängigkeit von Cloud-Diensten aus dem Ausland. Dabei wären mehr Unternehmen bereit, auf eine Cloud aus Deutschland zurückzugreifen, auch wenn sie Abstriche im Vergleich zu bestehenden Angeboten in Kauf nehmen müssten. 85 Prozent der Unternehmen halten Deutschland für zu abhängig von US-Cloud-Anbietern, vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 78 Prozent. 80 Prozent wünschen sich große Cloud-Anbieter, sogenannte Hyperscaler, aus Deutschland oder Europa, die es mit den globalen Marktführern aufnehmen können. Zugleich wären inzwischen 37 Prozent bereit, einen Cloud-Dienst zu nutzen, der Daten ausschließlich in Deutschland und vor ausländischem Zugriff geschützt verarbeitet, auch wenn das mit Nachteilen wie weniger Funktionen oder höheren Kosten verbunden wäre. Vor einem Jahr waren es mit 27 Prozent noch deutlich weniger. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Unternehmen, die Cloud-Computing nutzen, fühlen sich durch die Politik der US-Regierung gezwungen, ihre Cloud-Strategie zu überdenken, nach 50 Prozent vor einem Jahr. Das sind Ergebnisse des „Cloud Report 2026“, den der Digitalverband Bitkom heute veröffentlicht hat. Für den Bericht wurden 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland repräsentativ befragt. „Die Cloud ist eine zentrale Infrastruktur für die deutsche Wirtschaft. Angesichts der großen geopolitischen Veränderungen rücken jetzt Fragen der Souveränität und des Abbaus einseitiger Abhängigkeiten in den Fokus“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Deutschland muss sich bei der Cloud mit Blick auf die zunehmende Bedeutung von KI und Daten aus einseitigen Abhängigkeiten lösen.“
Für nahezu alle Unternehmen, die Cloud-Dienste nutzen oder dies in Erwägung ziehen (98 Prozent), spielt das Herkunftsland des Cloud-Anbieters eine Rolle. Die Anbieter-Landschaft und der Wunsch der Unternehmen klaffen dabei deutlich auseinander: 71 Prozent der Unternehmen beziehen heute Cloud-Angebote aus den USA, bevorzugen würden das aber nur 8 Prozent. Bei deutschen Anbietern ist es eher umgekehrt: 53 Prozent nutzen aktuell Provider aus Deutschland, vorziehen würden sie 91 Prozent der Unternehmen. Anbieter aus der EU sind heute bei 45 Prozent im Einsatz, bevorzugt würden sie von 68 Prozent. Gleichzeitig sagen 43 Prozent der Unternehmen, für ihre Cloud-Anforderungen gäbe es derzeit keine gleichwertigen europäischen Alternativen zu den US-Hyperscalern. Für eine deutsche Cloud, die Daten ausschließlich in Deutschland und vor ausländischem Zugriff geschützt verarbeitet, würden 25 Prozent der Unternehmen längere Wartezeiten auf neue Funktionen in Kauf nehmen, im Vorjahr waren das erst 12 Prozent. 17 Prozent wären bereit, eine schlechtere Bedienbarkeit oder einen schlechteren Service zu akzeptieren (2025: 6 Prozent), 14 Prozent würden auf einzelne Funktionen verzichten (2025: 8 Prozent) und 12 Prozent würden auch einen um 10 bis 20 Prozent höheren Preis hinnehmen (2025: 7 Prozent). Der Anteil derjenigen, die solche Nachteile grundsätzlich ablehnen, ist von 65 auf 58 Prozent gesunken.
Unternehmen fordern mehr Souveränität
Vor allem an den Staat haben die Unternehmen klare Erwartungen: 90 Prozent fordern, dass staatliche Stellen stärker auf europäische oder souveräne Cloud-Lösungen setzen, und 79 Prozent sehen den Staat in der Rolle eines Vorreiters bei der Nutzung souveräner Cloud-Angebote. 74 Prozent halten staatliche Initiativen zur Stärkung europäischer Cloud-Infrastrukturen für notwendig. 75 Prozent sagen, die bisherigen politischen Initiativen zur digitalen Souveränität hätten zu wenig konkrete Effekte für ihr Unternehmen gehabt. Nur 30 Prozent finden die aktuelle politische Unterstützung für europäische Cloud-Initiativen ausreichend. Zugleich beklagen die Unternehmen Defizite bei den souveränen Cloud-Angeboten internationaler Anbieter: 87 Prozent vermissen ausreichende Transparenz über Datenverarbeitung und Zugriffsrechte, 53 Prozent halten die rechtlichen und regulatorischen Anforderungen für unklar oder uneinheitlich, und 51 Prozent kritisieren das Fehlen einheitlicher europäischer Gütesiegel oder Zertifizierungen. „Cloud-Souveränität entsteht nicht durch Bekenntnisse, sondern durch verbindliche Standards und einen Staat, der selbst Vorreiter ist“, so Wintergerst.
www.praeventionstag.de
