
Gewaltprävention durch sicheren Wohnraum
Nachhaltiger Gewaltschutz endet nicht mit dem Verlassen eines Frauen- und Kinderschutzhauses. Erst eine sichere und langfristige Wohnperspektive ermöglicht Betroffenen den Aufbau eines selbstbestimmten Lebens. Zu diesem Ergebnis kommt das Verbundprojekt „SieWo – Sie wohnt gewaltfrei“, das nach 18 Monaten Laufzeit abgeschlossen wurde. Bei der Abschlussveranstaltung am 10. Juni 2026 stellten die Projektpartner ihre Ergebnisse und Empfehlungen vor.
Wohnraumvermittlung als Baustein des Gewaltschutzes
Das Projekt adressierte eine zentrale Herausforderung im Gewalthilfesystem: Frauen und Kinder müssen häufig länger als vorgesehen in Schutzunterkünften bleiben, weil geeigneter Wohnraum fehlt. Grund dafür ist unter anderem ein angespannter Wohnungsmarkt mit einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum, was die Situation gewaltbetroffener Frauen erheblich erschwert. Viele Betroffene können die Einrichtungen nicht verlassen, obwohl die akute Gefahr bereits überwunden ist, weil sie keine eigene Wohnung finden. An dieser Schnittstelle setzte das Projekt SieWo an: Es kombinierte die aktive Ansprache von Vermietenden durch eine Kommunikationskampagne mit der Wohnraumvermittlung und individuellen Beratung für Betroffene sowie der wissenschaftlichen Begleitung durch die HTWK Leipzig. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass gezielte Wohnraumvermittlung das Gewalthilfesystem entlasten kann. Jede erfolgreiche Wohnungsvermittlung kann dazu beitragen, Kapazitäten in Schutzunterkünften für akut schutzsuchende Personen freizumachen.
Drei zentrale Erfolgsfaktoren wurden durch die wissenschaftliche Auswertung herausgearbeitet:
- Die Adressierung von Wohnungsunternehmen mit passenden Wohnungsangeboten ist entscheidend für erfolgreiche Vermittlungen.
- Die Sensibilisierung von Wohnungsunternehmen und Vermietenden erhöht die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
- Persönliche Kontakte und verlässliche Kooperationen stärken das Vertrauen aller Beteiligten und erleichtern Vermittlungsprozesse.
Ergebnisse und Empfehlungen veröffentlicht
Die zentralen Projektergebnisse sowie Handlungsempfehlungen für Politik, Wohnungswirtschaft und Gewalthilfeeinrichtungen wurden in einer Abschlussbroschüre veröffentlicht. Die Publikation steht online zum Download bereit; gedruckte Exemplare können über das Kontaktformular des Projekts angefordert werden.
www.praeventionstag.de
