Sonntag, 21. Juni 2026

Friedensgutachten 2026 warnt vor einer Welt der Warlords

Im  Friedensgutachten 2026 analysieren die vier führenden deutschen Institute für Friedens- und Konfliktforschung den Zerfall der internationalen Ordnung: Staaten missachten das Völkerrecht und wenden zunehmend Gewalt zur Durchsetzung ihrer Interessen an. Stützen der internationalen Friedenssicherung, wie die Vereinten Nationen und die Entwicklungszusammenarbeit, befinden sich in einer fundamentalen Krise. Gleichzeitig verändern neue Technologien Kriegsführung und Rüstungskontrolle. Die Forschenden schlagen Maßnahmen vor, die zu einer tragfähigen globalen Friedens- und Sicherheitspolitik beitragen.

In ihrem jährlichen Friedensgutachten kommen die Friedens- und Konfliktforscher*innen von bicc, IFSH, INEF und PRIF zu dem Ergebnis, dass sich militärische Gewalt als reguläres Mittel internationaler Politik etabliert hat: Sie beobachten, dass Regierungen wie staatliche Warlords agieren, die internationale Regeln missachten und Gewalt zur Durchsetzung politischer, ökonomischer und territorialer Interessen einsetzen. Die Dynamik und die Methoden der neuen Warlords zeigen sich besonders deutlich in den Interventionen der USA, Russlands und Israels, aber auch in den regionalen Machtprojektionen Pakistans, der Türkei, Äthiopiens oder der Golfmonarchien. Um die aktuellen Gewaltdynamiken einzuhegen, soll Deutschland sich konsequent am Völkerrecht orientieren und seine Rolle in Europa nutzen, multilaterale Institutionen zu stärken und neue Allianzen für die Einhaltung von Regeln anzustoßen. Für die Sicherheit und Stabilität Deutschlands empfiehlt das Friedensgutachten 2026, resiliente Wertschöpfungsketten aufzubauen und digitale Souveränität anzustreben. Gleichzeitig soll die Politik antimuslimischen Rassismus ebenso wie Antisemitismus und andere Rassismen als gesellschaftliche Probleme ernstnehmen und Gegenmaßnahmen ergreifen.

Konflikte auf Rekordniveau: Machtpolitik der Golfstaaten verschärft Gewalt
Der Zeitraum zwischen 2021 und 2024 markiert die gewalttätigste Phase seit Ende des Kalten Krieges, so das Friedensgutachten 2026: Es wurden 61 bewaffnete Konflikte in 36 Ländern verzeichnet, an denen mindestens ein staatlicher Akteur beteiligt war. Gleichzeitig stieg die Zahl der weltweit Vertriebenen im April 2025 auf über 120 Millionen. Das Friedensgutachten 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass Staaten, wie etwa Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar, ihre Konkurrenzverhältnisse untereinander in Krisenregionen austragen. Sie treten hier oftmals gleichzeitig als Konfliktpartei und Vermittler auf. Diese Vermischung von Intervention und Mediation erschwert nachhaltige Friedenslösungen und verstetigt bestehende Konflikte.

Vereinte Nationen am Scheideweg: Reform oder Abstieg
Die Vereinten Nationen (VN) befinden sich in einer tiefen strukturellen Krise: Großmachtrivalitäten blockieren zentrale Entscheidungsprozesse, insbesondere im Sicherheitsrat. Gleichzeitig untergraben finanzielle Kürzungen und konkurrierende Politikformate die Autorität der VN. Dennoch gibt es keine tragfähige Alternative zu der Organisation. Deshalb soll sich die Bundesregierung zusammen mit mittleren und kleineren Staaten für eine stabile Finanzierung und Reformen einsetzen.

Entwicklungszusammenarbeit als Schlüssel für nachhaltigen Frieden 
Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und besonders die humanitäre Hilfe stehen wegen drastischer Kürzungen massiv unter Druck. Zugleich erweitert sich durch die Zunahme von Konflikten und den Klimawandel der Aufgabenbereich der EZ. Kürzungen internationaler Hilfe begünstigen die Instabilität fragiler Staaten und erschweren eine wirksame Prävention von Gewaltkonflikten, warnt das Friedensgutachten 2026. Die Forschenden empfehlen Deutschland, sich auf europäischer und internationaler Ebene für eine bessere Koordination und Wirksamkeit von EZ-Programmen einzusetzen. 

Friedensübergänge nachhaltig gestalten
Das Friedensgutachten 2026 betont, dass Waffenstillstände allein keinen Frieden sichern. Nachhaltige Lösungen erfordern glaubwürdige Sicherheitsgarantien, völkerrechtskonforme Regelungen, einen kontrollierten Umgang mit Sanktionen sowie den Aufbau stabiler staatlicher Strukturen. Dies zeigen die Kriege in der Ukraine, Gaza und Syrien. Für einen stabilen Frieden ist von Bedeutung, dass Maßnahmen der Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration sowie des Wiederaufbaus früh in Verhandlungen berücksichtigt werden.

Neue Technologien verschärfen Rüstungsdynamiken
Technologische Innovationen wie Künstliche Intelligenz, autonome Systeme, Cyberfähigkeiten und Biotechnologie treiben globale Rüstungsdynamiken an und entziehen sich etablierten Formen der Kontrolle. Insbesondere KI beschleunigt militärische Prozesse und verstärkt Cyberangriffe sowie Desinformation. Neue Technologien bieten jedoch auch Chancen für eine verbesserte Rüstungskontrolle. Flexible und international abgestimmte Regulierungen sind deshalb nötig, um die internationale Sicherheit zu stärken.

Innerstaatlicher Frieden in Deutschland unter Druck
Das Friedensgutachten 2026 nimmt das politische Klima in Deutschland in den Blick und stellt fest, dass antimuslimischer Rassismus strukturell verankert ist und durch sicherheitspolitische Diskurse verstärkt wird. Antisemitismus ist in der deutschen Gesellschaft weit verbreitet und muss dort bearbeitet werden. Er darf nicht auf muslimische Gemeinschaften verengt werden, so das Friedensgutachten 2026. Demokratische Parteien sollen polarisierenden und rassistischen Diskursen in Feldern wie der Migrations- und Asylpolitik entgegentreten. Andernfalls fördern sie die Agenda autoritärer und rechtsextremer Parteien. 

Ein Service des deutschen Präventionstages.
www.praeventionstag.de

Weitere News vom Sonntag, 21. Juni 2026


Bisherige News aus dem Bereich: Aktuelles und Veranstaltungen

22.07.2025