14.04.2026

Keep confident and carry on preventing !

Zur Eröffnung des 31. Deutschen Präventionstages am 13. April 2026

Erich Marks

 

Das Ziel präventiver Strategien und präventiven Handelns ist es, vor die Lage zu kommen. Dies gilt natürlich auch und vielleicht erst recht bei krisenhaften Konflikten und Zuspitzungen. Prävention ist nun einmal kein Feuerlöscher, Prävention ist Brandschutz.

Aktuell ist es jedoch wahrhaft nicht einfach, präventiv vor die kleinen und großen Lagen zu kommen. Bedroht sind Biodiversität und Klima, die Friedensbereitschaft, die Demokratie, die Menschenrechte, das regelbasierte Miteinander und vieles mehr.

Ich wünsche uns allen, dass wir nach zwei Kongresstagen voller Informationen, Diskurse und Kommunikationen gestärkt nach Hause fahren mit der Haltung: Keep confident and carry on preventing!

Mit diesem Wunsch begrüße ich Sie alle, unsere Ehrengäste, die vielen Kongress-Aktiven sowie alle Kongressteilnehmenden und Gäste aus dem In- und Ausland, sehr herzlich und eröffne hiermit den 31. Deutschen Präventionstag.

 

Künstliche Intelligenz (KI) in der Prävention

Das Schwerpunktthema des 31. DPT haben wir in vielfacher Hinsicht aufgegriffen und bearbeitet. Über die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitschrift wird Professorin Gina Wollinger berichten und die Ergebnisse einer breit angelegten Umfrage wird Professor Dirk Baier darstellen. Ebenfalls in dieser Eröffnungsveranstaltung werden die ersten Deutschen Präventionspreise zum Thema „KI in der Prävention“ vergeben.

Die Bearbeitung des Themenfeldes „KI in der Prävention“ erfordert ein dauerhaftes Zusammenspiel von Technikentwicklung, Ethik, Bildung, Forschung, Politik und Praxis. Ziel sollte es sein, Leitlinien und Modelle zu entwickeln, die den verantwortungsvollen Einsatz von KI fördern und gleichzeitig die Resilienz der Gesellschaft gegenüber Missbrauch und Fehlentwicklungen stärken. Hierzu ist es u.a. wichtig breite Allianzen zu bilden.

Der Deutsche Präventionstag unterstützt deshalb den Globalen Aufruf für KI-Rote-Linien, in dem die Regierungen dringend aufgefordert werden, bis Ende 2026 eine internationale Vereinbarung über rote Linien für KI zu erreichen – und dabei sicherzustellen, dass diese operational sind und mit robusten Durchsetzungs-mechanismen ausgestattet werden.

Auf nationaler Ebene gehört der Deutsche Präventionstag zu den Erstunterzeichnern des Code of Conduct Demokratische KI. Diese Selbstverpflichtung für einen verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz haben inzwischen ca. 200 Organisationen aus der deutschen Zivilgesellschaft unterzeichnet.
 

Die Präventionshauptstadt Hannover

Die Landeshauptstadt Hannover (LHH) und der Deutsche Präventionstag (DPT) haben im März des vergangenen Jahres eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart. Ab 2026 wird der weltweit größte Jahreskongress zur Gewalt- und Kriminalprävention dauerhaft in Hannover stattfinden.

Mit der dauerhaften Ansiedlung in Hannover wird der Kongress weiterentwickelt. Nach 30 erfolgreichen Veranstaltungen in 23 deutschen Städten bietet die neue langfristige Perspektive die Chance, den DPT noch stärker als zentrale Plattform für Prävention zu etablieren.

Zur neuen Struktur gehört auch die diesjährige Bundeslandpartnerschaft mit dem Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung Mecklenburg-Vorpommern. Über Details zur erfolgreichen Präventionslandschaft Mecklenburg-Vorpommerns wird uns gleich Innenminister Pegel informieren.

Mein besonderer Dank für allerbeste und sehr ertragreiche gemeinsame Arbeit gilt an dieser Stelle dem Oberbürgermeister Belit Onay, dem Ersten Stadtrat Dr. Axel von der Ohe, der Wirtschaftsdezernentin Anja Ritschel und allen involvierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Hannover.

Zu weiteren Hintergründen und Perspektiven der neuen Verbundenheit zwischen der Landeshauptstadt Hannover und dem Deutschen Präventionstag wird gleich unser Schirmherr, Oberbürgermeister Onay berichten.

 

Das Hannover Congress Centrum (HCC)

Die gemeinsame Geschäftsstelle des Deutschen Präventionstages, der Deutschen Stiftung für Verbrechensverhütung sowie des Deutsch-Europäischen Forums für urbane Sicherheit befindet sich seit September 2025 direkt im HCC. Wir haben uns hier sehr gut eingelebt und möchten für viele Jahre und vielleicht Jahrzehnte bleiben.

Die Gelegenheit dieser öffentlichen Eröffnungsveranstaltung möchte ich deshalb gerne nutzen, um dem HCC-Direktor Joachim König und seinem gesamten Team herzlich für die so kreative, anregende und produktive gemeinsame Arbeit zu danken.

 

Ein Kleiner Zahlenspiegel des 31. DPT

Über 300 Gremien, Organisationen und Institutionen aus Wissenschaft und Praxis sind beim diesjährigen Kongress involviert und mehr als 800 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Themenfeldern der Prävention informieren über ihre Projekte und Forschungsergebnisse.

Beim 31. Deutsche Präventionstag setzt sich ein Trend der vergangenen drei Jahre fort: mit ca. 2.000 Teilnehmenden erreichen die Anmeldezahlen nicht das Niveau der Vor-Corona-Jahre mit mehr als 3.000 Teilnehmenden.

Die Gründe hierfür sind im Wesentlichen die Folgen akuter Finanzierungsprobleme und fehlender Haushaltmittel der entsendenden Institutionen. Besonders betroffen hiervon sind ausweislich ehrenamtlich Tätige sowie kleinere Initiativen und Organisationen.

Hier wird der Deutsche Präventionstag mit bestehenden und zusätzlichen Partnerschaften bemüht sein, zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschließen, um vergünstigte Tickets und Stipendien anbieten zu können.

Nochmals gestiegen sind dagegen die Nutzungszahlen unserer Onlineangebote auf  monatlich über 250.000 Besucherinnen und Besucher.

 

DPT-Partnerorganisationen

Schon seit seiner Begründung vor nunmehr über drei Jahrzehnten gilt: der Deutsche Präventionstag lebt von der guten Zusammenarbeit mit seinen zahlreichen Partnerorganisationen.

Für die vielfältige ideelle und materielle Unterstützung sowie die so angenehme und erfolgreiche gemeinsame Projektarbeit danke ich an dieser Stelle allen Beteiligten von insgesamt ca. 50 nationalen und internationalen Organisationen besonders herzlich.

Schon heute freuen wir uns darauf, zum kommenden Jahreskongress eine langfristige Partnerschaft mit der Lotto-Sport-Stiftung Niedersachsen, den Polizeiakademien der Länder sowie mit weiteren bedeutenden Organisationen aus den weiten Arbeitsfeldern der Prävention vereinbaren zu können.

 

Deutscher Präventionspreis (DPP)

In der heutigen Kongresseröffnung wird erstmals der Deutsche Präventionspreis (DPP) vergeben. Träger sind der Deutsche Präventionstag (DPT) und die Deutsche Stiftung für Verbrechensverhütung und Straffälligenhilfe (DVS).

Mit der Auslobung eines nationalen Präventionspreises wollen wir insbesondere in der Prävention aktive Personen und Institutionen würdigen und wertschätzen sowie einen Beitrag leisten für mehr gesellschaftliche Debatten über Präventionspotentiale.

Der Preis soll künftig im Regelfall jährlich verliehen werden und sich in seiner thematischen Ausrichtung am jeweiligen Schwerpunktthema des DPT-Jahreskongresses orientieren.

In dieser Kongresseröffnung erhalten die vier ausgezeichneten Projekte ihre Urkunden durch Oberbürgermeister Onay. Zum besseren Kennenlernen der Projekte darf ich einerseits auf unsere Webseite verweisen und andererseits für heute 12:00 Uhr in den Blauen Saal sowie Infostände in der Kongressmesse einladen.

 

DPT-Gremien und DPT-Partner als Botschafter der Prävention

Seit vielen Jahren sind drei DPT-Gremien erfolgreich aktiv, der Programmbeirat, der wissenschaftliche Beirat sowie der internationale Beirat. Hinzugekommen ist im vergangenen Jahr ein Wirtschaftsbeirat und mit Pascal Blenke der erste DPT-Präventionsbotschafter.

In diese Gremien sollen in den kommenden Jahren weitere Personen berufen werden, weitere Beiräte sollen gebildet und die Vernetzung zwischen diesen DPT-Arbeitsbereichen sollen verbessert werden.

 

Evidenzbasierte Kriminalprävention

Nach unserer Überzeugung kann eine evidenzbasierte Kriminalprävention nur durch ein gutes Zusammenwirken der der Arbeitsfelder Präventionsforschung, Präventionspolitik und Präventionspraxis gelingen.

In den kommenden Jahren wird es immer wichtiger werden, eine transferorientierte Präventionsforschung (translational criminology) zu stärken. Diese zielt darauf ab, wissenschaftliche Erkenntnisse noch direkter in die Praxis umzusetzen; namentlich

  • eine effektivere Kriminalitätsbekämpfung,
  • bessere politische Entscheidungen und
  • die Nutzung von Wissenschaft statt Populismus.

Seit dem 12. DPT, der 2007 in Wiesbaden stattfand, werden im Vorfeld zu den jährlichen Schwerpunktthemen wissenschaftliche Gutachten erstellt. Das diesjährige Gutachten wurde erneut von Professorin Gina Rosa Wollinger  kuratiert, die nun zentrale Aussagen zusammenfasst.

Ebenfalls seit nun beinahe 20 Jahren veröffentlichen der Deutsche Präventionstag und seine Veranstaltungspartner auf der Basis dieser wissenschaftlichen Expertisen jährliche Erklärungen. Die diesjährige Erklärung wurde heute Vormittag auf unserer Webseite veröffentlicht.

 

Der DPT auch als internationaler Kongress

Bedingt durch die aktuellen weltweiten Kriege werden am 31. DPT mit lediglich gut 100 Personen aus insgesamt 24. Staaten deutlich weniger internationale Gäste am 31. DPT teilnehmen.

Stellvertretend für alle ausländischen Gäste möchte ich an dieser Stelle namentlich den Präsidenten des Koreanischen Institutes für Kriminologie und Justiz (KICJ), Prof. Dr. Woong Seok Jeong, begrüßen, der mit einer zwölfköpfigen Delegation seines Institutes und des Justizministeriums den langen Weg von Seoul zu uns nach Hannover gereist ist. In verschiedenen bilateralen Gesprächen haben wir bereits vereinbart unsere seit Jahrzehnten bewährte Zusammenarbeit insbesondere in der Präventionsforschung nochmals zu intensivieren.

Namentlich begrüßen möchte ich auch Frau Professorin Dr. Zhanat Dilbarkhanova vom Außenministerium der Republik Kasachstan. Sie ist mit einer kleinen Delegation zu uns gekommen und wird in einem Vortrag über den ersten kasachischen Präventionstag berichten, der im vergangenen Jahr in Almaty stattgefunden hat. Der kasachische Präventionskongress hat sich den deutschen DPT zum Vorbild genommen und wir haben eine Partnerschaft geschlossen. Ein zweiter nationaler Kongress ist in  Kasachstan bereits für den Sommer dieses Jahres geplant.

 

„Der Blaue Schirm – Verein zur Förderung des Deutschen Präventionstages“

Prävention ist nicht nur eine persönliche Haltung und eine staatliche Strategie. Eine erfolgreiche gesamtgesellschaftliche Prävention benötigt auch engagierte Bürgerinnen und Bürger und ebenso engagierte zivilgesellschaftliche Initiativen und Organisationen.

„Der Blaue Schirm – Verein zur Förderung des Deutschen Präventionstages“ befindet sich im Gründungsprozess und soll sich zu einer starken Allianz von Menschen und Organisationen entwickeln. Wichtige Ziele für die zu fördernde Präventionsarbeit sind u.a. die Stärkung zivilgesellschaftlicher Teilhabe, die Erschließung zusätzlicher finanzieller Ressourcen sowie die Verfassung und Verbreitung von präventionsfördernden Stellungnahmen und Botschaften.

Über den Fortgang des Gründungsprozesses werden wir Sie über unsere üblichen Kommunikationswege auf dem Laufenden halten. Schon jetzt lade ich Sie herzlich ein, als Person, Freundesgruppe, Organisation oder Firma den Blauen Schirm durch eine Mitgliedschaft, Vorschläge oder Spenden zu unterstützen.

 

Ausblick auf den 32. Deutschen Präventionstag

Der 32. Deutsche Präventionstag wird am 24. und 25. Mai des kommenden Jahres (2027) wiederum hier im Hannover Congress Centrum (HCC) stattfinden. Das Schwerpunktthema lautet dann „Vulnerabilität und Prävention“.

Zur Erleichterung langfristiger Planungen sei an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen, dass die Jahreskongresse in den kommenden 10 Jahren stets im Mai und ebenfalls im HCC in Hannover stattfinden werden. Die konkreten Termine der kommenden Jahre sind bereits auf unserer Webseite veröffentlicht.

 

Ein Service des deutschen Präventionstages.
www.praeventionstag.de

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