18.03.2026

Soziale Herkunft prägt Bildungsungleichheit von der Kita bis zur Uni

Eine neue Studie analysiert erstmals umfassend, wie soziale Herkunft den gesamten Bildungsverlauf beeinflusst. Die Autoren unterscheiden dabei zwischen den Einflüssen von Armut, Bildungsniveau und beruflichem Status der Eltern und messen deren Einfluss auf Kompetenzniveaus, Bildungsentscheidungen und Leistungsbeurteilungen. So kann genauer als bisher untersucht werden, wann soziale Ungleichheiten entstehen, wo sie sich fortsetzen, verstärken oder verringern. Die neue Veröffentlichung mit Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) identifiziert Quellen der Ungleichheit im Bildungsverlauf und liefert damit einen grundlegenden Beitrag zur Debatte, wie Bildung gerechter gestaltet werden kann.

Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass soziale Bildungsungleichheiten sehr früh einsetzen und lange stabil bleiben. Die Studie erstellt dabei keine Momentaufnahme, sondern analysiert, wie sich früh entstehende Ungleichheiten langfristig entwickeln. Die Autor:innen, Prof. Dr. Marcel Helbig, Dr. Claudia Karwath und Prof. Dr. Corinna Kleinert vom Leibniz‑Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), blicken dabei nicht allein auf eine Dimension sozialer Herkunft, sondern auf kulturelle, soziale und finanzielle Ressourcen. Anders als in vorherigen Studien untersuchen sie nicht nur ein Bildungsergebnis, sondern (1) die Entwicklung unterschiedlicher Kompetenzen, (2) Bildungsentscheidungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und schließlich (3) die Beurteilung von Schüler:innen durch Lehrkräfte. Ein besonderer Fokus liegt auf den Übergängen zwischen einzelnen Bildungsetappen. Diese Scharnierstellen im Bildungssystem bilden einen besonderen Nährboden für die Verfestigung von Ungleichheiten, bieten jedoch gleichzeitig Ansatzpunkte für deren Beseitigung.

Kompetenzunterschiede durch soziale Herkunft: Früher Beginn, lange Stabilität
Bereits in den ersten Lebensjahren von Kindern zeigen sich deutliche Unterschiede bei der Nutzung frühkindlicher Betreuungsangebote, die auf die verschiedenen Faktoren der sozialen Herkunft zurückzuführen sind. Während im zweiten Lebensjahr vor allem Eltern mit hohem beruflichem Status ihre Kinder außerfamiliär betreuen lassen, gewinnt im dritten und vierten Lebensjahr das Bildungsniveau der Eltern an Bedeutung. Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau nehmen vor dem vierten Lebensjahr seltener an frühkindlicher Betreuung teil.

Auch bei den Kompetenzen zeigen sich früh Unterschiede: Schon im Kleinkindalter unterscheiden sich Wortschatz sowie frühe mathematische und naturwissenschaftliche Fähigkeiten systematisch nach der sozialen Herkunft und vergrößern sich bis zum Schuleintritt. Diese Ungleichheiten setzen sich im weiteren Bildungsverlauf fort, etwa auch beim Lesen sowie bei computerbezogenen und digitalen Kompetenzen. Insgesamt bleiben die Unterschiede über die Schulzeit hinweg weitgehend stabil. So gehören am Ende der Grundschule nur 12 % der Kinder aus unteren sozialen Schichten zu den leistungsstärksten Schüler:innen in Mathematik, aber 40 % der Kinder aus hohen sozialen Schichten.

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