
Paritätische Studie zur Wohnarmut in Deutschland zeigt: Wohnkosten treiben Armutszahlen von 13 auf 18,4 Millionen
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Die neue Paritätische Wohnarmutsstudie zeigt klar: Wohnkosten sind einer der entscheidenden Treiber sozialer Ungleichheit in Deutschland. 5,4 Millionen Menschen geraten allein durch die Wohnkosten unter die Armutsgrenze – ein Befund, den die bisherige Sozial- und Armutsforschung häufig unterschätzt hat. Damit sind nicht 13 Millionen, sondern 18,4 Millionen Menschen von Armut betroffen.
Wohnkosten als zentraler Treiber sozialer Ungleichheit
Die soziale Ungleichheit in Deutschland verschärft sich zunehmend – und der Wohnungsmarkt spielt dabei eine zentrale Rolle. Traditionell galt die Empfehlung, höchstens ein Drittel des Einkommens für die Miete aufzuwenden. Doch diese Faustregel ist für viele Haushalte längst nicht mehr erreichbar. Immer mehr Menschen müssen über 40 oder gar 50 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben. Ursachen sind ein angespannter Wohnungsmarkt, fehlende bezahlbare Alternativen und Mieten, die vielerorts deutlich schneller steigen als die Einkommen. Selbst die Suche nach kleineren Wohnungen führt selten zu einer Entlastung, da Neuvermietungsmieten erheblich über Bestandsmieten liegen.
Wohnarmut: Ein neuer Blick auf unsichtbare Armut
Die Paritätische Forschungsstelle untersucht in ihrem aktuellen Bericht, in welchem Ausmaß Wohnkosten Haushalte in Armut bringen. Hierfür wurde die wohnkostenbereinigte Armutsquote – kurz: Wohnarmut – berechnet. Dabei werden die verfügbaren Einkommen um die tatsächlichen Wohnkosten bereinigt und eine spezielle Wohnarmutsgrenze festgelegt. Diese Methode macht sichtbar, was in herkömmlichen Armutsstatistiken unsichtbar bleibt: Wohnkosten treiben Millionen Menschen zusätzlich in Armut.
Zentrale Ergebnisse: 5,4 Millionen Menschen mehr gelten als arm
Die Analyse zeigt ein bislang stark unterschätztes Ausmaß der Armut: 5,4 Millionen Menschen gelten zusätzlich als arm, wenn Wohnkosten berücksichtigt werden. Damit leben insgesamt 18,4 Millionen Menschen – also 22,3 Prozent der Bevölkerung – in Deutschland in Wohnarmut. Viele Menschen leben dadurch unter sozial belastenden Bedingungen, mit negativen Folgen für ihre gesellschaftliche Teilhabe, Gesundheit und ökonomische Entwicklung. Der Wohnungsmarkt entwickelt sich damit zu einem systemischen Risiko für soziale Stabilität.
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