24.08.2025

Kaum soziale Kompetenzen in Bildungsprogrammen für junge Kinder

Programme zur frühkindlichen Bildung vernachlässigen soziale Kompetenzen, die für das Zusammenleben und -arbeiten wichtig sind. Dies zeigt eine Studie, die bildungspolitische Leitlinien in mehr als 50 Staaten weltweit untersucht hat. Auch die Bedeutung der sozioökonomischen Verhältnisse der Kinder für den Bildungserfolg spielt in den Programmen nur eine untergeordnete Rolle. Bildung im frühen Kindesalter kann Kompetenzen vermitteln, die für den gesamten Lebensweg wichtig sind, wie zahlreiche internationale Studien gezeigt haben. Sowohl für den Zusammenhalt von Gesellschaften als auch für die heutige Berufswelt gilt es als wichtig, dass Kinder auch schon vor der Einschulung lernen zu kooperieren, ein grundlegendes Verständnis für Toleranz und Respekt zu entwickeln und Probleme gemeinsam zu lösen. Für den Bildungserfolg sind wiederum die strukturellen Bedingungen, vor allem die sozioökonomischen Verhältnisse, in denen Kinder aufwachsen, von großer Bedeutung. 

Forschende der Technischen Universität München (TUM), der Universität Luxemburg und der Autonomen Universität Barcelona bemerkten aber immer wieder, dass soziale Kompetenzen, die für das Funktionieren von Gesellschaften wichtig sind, sowie Bildungsvoraussetzungen in Programmen zur frühkindlichen Bildung kaum oder gar nicht auftauchen. Sie haben deshalb erstmals untersucht, ob ein globales Gesamtbild erkennbar ist, auf welchen Grundhaltungen diese Programme basieren. Das Forschungsteam analysierte mehr als 90 offizielle Dokumente aus 53 Staaten aller Kontinente sowie von der Europäischen Union und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Bei den Dokumenten aus der Zeit von 1999 bis 2023 handelte es sich vor allem um Leitlinien, Bildungspläne und ähnliche Veröffentlichungen, die grundlegende bildungspolitische Ausrichtungen beschreiben. 

Kognitive Fähigkeiten im Mittelpunkt
Die Studie zeigt, dass die Programme zur frühkindlichen Bildung kognitive Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellen, also beispielsweise Sprache, die Verarbeitung von Informationen oder räumliches Vorstellungsvermögen. Soziale Kompetenzen, die für das Zusammenleben und -arbeiten wichtig sind, spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings werden sozio-emotionale Kompetenzen, also das Erkennen und Verarbeiten von Emotionen, in den Papieren der internationalen Organisationen und einiger Staaten einbezogen. Die Programme sehen weltweit überwiegend Talent, Anstrengung und Eigenverantwortung als zentral für den späteren Bildungserfolg. Faktoren, die vom Individuum nicht beeinflusst werden können, werden dagegen kaum erwähnt. Dazu zählen vor allem sozioökonomische Bedingungen, wie etwa Bildungshintergrund und Einkommen der Eltern, sowie Persönlichkeitsmerkmale und auch belastende Lebensereignisse wie Flucht oder Krankheiten. Ebenso selten genannt wird die Bedeutung, die die Unterstützung durch Familie, Freunde, Lehrkräfte und die Gesellschaft hat.

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