Kongressprogramm 25. DPT-Digital

Passend zum Schwerpunktthema und den Entwicklungen der Corona-Pandemie geschuldet wird der 25. DPT-Jubiläumskongress am 28. & 29. September 2020 eine rein digitale Onlineveranstaltung sein. Das umfangreiche Kongressprogramm der ursprünglich im Kasseler Kongress Palais geplanten Präsenzveranstaltung wird in vier unterschiedlichen Formaten dargeboten. 

Warum ist Radikalisierung ein Thema für Psychotherapeuten?

Dr. Thea Rau
Universitätsklinikum Ulm

Abstract:
In Zusammenhang mit Radikalisierung und extremistischen Gewalttaten wird zunehmend diskutiert, welche Rolle Psychotherapeuten in der Prävention und Früherkennung von Radikalisierungsprozessen spielen können, insbesondere wenn psychische Störungen bei radikalisierten Menschen vermutet werden. Bislang fehlen jedoch Untersuchungen, die radikalisierte junge Menschen sowohl nach Entwicklungsrisiken als auch nach Kontakten zu Psychotherapeuten und anderen Hilfesystemen befragen. Auf der Basis von sieben systematischen Interviews mit radikalisierten jungen Erwachsenen zeigt sich, dass diese insgesamt nur wenig Kontakt mit Hilfesystemen haben und keinen Kontakt zu Psychotherapeuten, trotz erheblicher Traumatisierungen in der Vorgeschichte und zum Zeitpunkt der Radikalisierung. Gleichzeitig zeigt sich, dass bestehende Kontakte von den jungen Menschen eher negativ wahrgenommen wurden. Beispielsweise mangelte es an einer vertrauensvollen Beziehung oder es fehlte der Zugang. Im Vortrag werden insbesondere die Rolle von Psychotherapeuten herausgearbeitet und Möglichkeiten diskutiert, wie der Kontakt zu radikalisierten Menschen verbessert werden kann.
Dr. Thea Rau
Dr. Thea Rau, Studium der Sozialen Arbeit, seit 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm. Schwerpunktmäßige Beschäftigung mit den Themen „Gewalt im Jugendalter und jungen Erwachsenenalter“, „Organisationsentwicklung“ und „Jugendhilfe“.