Kongressprogramm 25. DPT-Digital

Passend zum Schwerpunktthema und den Entwicklungen der Corona-Pandemie geschuldet wird der 25. DPT-Jubiläumskongress am 28. & 29. September 2020 eine rein digitale Onlineveranstaltung sein. Das umfangreiche Kongressprogramm der ursprünglich im Kasseler Kongress Palais geplanten Präsenzveranstaltung wird in vier unterschiedlichen Formaten dargeboten. 

Lernen am Erfolg: Optimierung der Behandlung von Straftätern

Prof. Dr. Rainer Banse
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Abstract:
Die Literatur zur Wirksamkeit von Behandlungsprogrammen für Straftäter beruht überwiegend auf methodisch schwachen Evaluationsstudien. Methodisch starke Evaluationen stoßen oft auf ethische, rechtliche und praktische Bedenken und Probleme. Wenn sie dennoch durchgeführt werden, liefern sie einen begrenzten Erkenntnisgewinn, da nur Rückschlüsse auf die Wirksamkeit ganzer Programme möglich sind. Für die Praxis wichtiger wären jedoch Anhaltspunkte, welche spezifischen Inhalte einer Maßnahme in welchen institutionellen Settings für welche Straftäter wirksam, unwirksam oder schädlich sind. Es wird hier ein Evaluationsansatz vorgeschlagen, der an den Unterschieden der vorhandenen Programme ansetzt und ein Lernen am Erfolg lokal realisierter Behandlungsprogramme ermöglicht. Dazu reichen die Verantwortlichen die von ihnen durchgeführten Interventionen bei einer „Best-Practice-Initiative" ein, in der sie hinsichtlich ihrer inhaltlichen Elemente, Setting- und Teilnehmervariablen kodiert und mit Parametern der Programmwirksamkeit in Beziehung gesetzt werden. Mit diesem Ansatz lassen sich viele Probleme klassischer Evaluationsmethoden vermeiden. Mittelfristig bietet er die Chance, unter aktiver Mitwirkung der Praktiker besonders wirksame und unwirksame Elemente von Behandlungsmaßnahmen sichtbar zu machen und so Behandlungsprogramme für Straftäter insgesamt zu optimieren.
Prof. Dr. Rainer Banse
Prof. Dr. Rainer Banse ist Professor für Sozial- und Rechtspsychologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, sowie Leiter des Bonner Institutes für Rechts- und Verkehrspsychologie. Sein Hauptforschungsinteresse liegt bei der Entwicklung und Validierung indirekter Messverfahren in der Grundlagenforschung und in der Angewandten Psychologie. In der Rechtspsychologie sind seine Arbeitsschwerpunkte die Wirkung von Sanktionen und Behandlungsmaßnahmen, Prädiktoren von kriminellem Verhalten, Aussagepsychologie, die Qualität und Verbesserung rechtspsychologischer Sachverständigengutachten sowie die Diagnostik und Ätiologie der Pädophilie. Seit 2013 leitet Rainer Banse einen berufsbegleitenden Weiterbildungsstudiengang M.Sc. Rechtspsychologie an der Universität Bonn. Im Bereich der Verkehrspsychologie forscht und arbeitet Rainer Banse vor allem zur Diagnostik der Fahreignung und zur Evaluation von Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, sei es durch technische Innovationen (z.B. eine vordere Bremsleuchte) sei es durch primärpräventive Programme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

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Lernen am Erfolg