Kongressprogramm 25. DPT-Digital

Passend zum Schwerpunktthema und den Entwicklungen der Corona-Pandemie geschuldet wird der 25. DPT-Jubiläumskongress am 28. & 29. September 2020 eine rein digitale Onlineveranstaltung sein. Das umfangreiche Kongressprogramm der ursprünglich im Kasseler Kongress Palais geplanten Präsenzveranstaltung wird in vier unterschiedlichen Formaten dargeboten. 

Lücken im Ombudswesen: Polizeibeauftragte

Prof. em. Dr. Arthur Kreuzer

Abstract:
Das Institut der Ombudsleute hat sich hierzulande bewährt als Scharnier zwischen Staat und Gesellschaft mit kriminalpräventiver Wirkung. Lücken gibt es noch bei Pflege- (dazu mein Beitrag auf dem 20. DPT) und Polizeibeauftragten. Letztere gibt es erst in wenigen Bundesländern. Sie tragen zur Transparenz, Akzeptanz und demokratischen Kontrolle von Polizeiarbeit bei. Sie sind parlamentarisch angebunden, aber unabhängig. An sie können sich Bedienstete in Polizeibehörden und Bürger wenden, und zwar vertraulich und frühzeitig, auch wenn sich ein Verdacht noch nicht konkretisieren lässt. So lassen sich beispielsweise innerdienstliche Hürden vor Beschwerden wegen befürchteter nachteiliger Rückwirkungen oder Sorgen Außenstehender wegen schwieriger Nachweise und möglicher Verleumdungsverfahren überwinden. Diskussionen um Gewalt von und gegen Polizei, „racial profiling“, extremistische Haltungen und neuestens rechtsextreme Chat-Gruppen und Netzwerke in der Polizei bestätigen die Notwendigkeit einer solchen Institution, um frühzeitig Fehlentwicklungen vorbeugen zu können. Bislang fehlen allerdings für diese Ombudsleute unverzichtbare, bundesgesetzlich zu verankernde Zeugnisverweigerungsrechte und Schweigepflichten.
Prof. em. Dr. Arthur Kreuzer
Geb. 1938 in Hamburg. 1962, 1968: 1. und 2. Juristische Staatsprüfung ebenda. 1965 Promotion. 1968-1972 Richter/Dozent am Landgericht (Jugendstrafkammer) und an der Universität Hamburg. Anschließend Forschung über „Drogen und Delinquenz“ (Titel der Habilitationsschrift). 1975 Habilitation für Kriminologie und Strafrecht. Von 1976 bis zur Emeritierung 2006 Professor für Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug sowie Direktor des Kriminologischen Instituts an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Forschungs- und Vortragsreisen in viele Länder. Gründer des Gießener Kriminologischen Praktikerseminars und des Criminalium e.V. Mitarbeit in zahlreichen kriminalpolitischen Beratungsgremien, derzeit im Fachbeirat Kriminalprävention des Weißen Rings und im Hessischen Landespräventionsrat. Über 600 wissenschaftliche Veröffentlichungen und publizistische Beiträge in Tages- und Wochenzeitungen. Wichtigste Forschungsgebiete: Arztstrafrecht; Grenzfragen von Verfassungs-, Strafverfahrens- und Strafvollzugsrecht; Jugendstrafrecht und Jugendkriminologie; Kriminologische Dunkelfeld-, Drogen-, Alters/Alternsforschung; empirische Strafverfahrens-, Institutionen- und Sanktionenforschung (insbesondere Polizei, Strafjustiz, Strafvollzug). Ehrungen: Bundesverdienstkreuz I. Kl.; Beccaria-Medaille in Gold; Festschriften zum 65., 70., 80. Geburtstag.

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