Professionell arbeiten unter extrem(istisch)en Bedingungen?

Kerstin Sischka
Forschungsgruppe Modellprojekte e.V.

Moderation: Isabell Ziegler
Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. (ISS)

Abstract:
Die Fachdebatte in der Extremismusprävention und Deradikalisierung ist oft von einem technischen Schwerpunkt geprägt: Wie können wirkungsvolle Maßnahmen entwickelt und erprobt werden? Wirksamkeit und Professionalität sind aber auch von der psychosozialen Stabilität der Fachkräfte abhängig. Deradikalisierung, Ausstiegshilfe und Rehabilitation von Straffälligen sind anspruchsvolle Arbeitsfelder. Fachkräfte aus zivilgesellschaftlichen und staatlichen Einrichtungen haben oft mit schwierigen Familienkonstellationen oder psychisch instabilen Klienten zu tun; es geht um sicherheitsrelevante Fragen und spezialisierte Anforderungen in einem konflikthaften gesellschaftlichen Umfeld. Die Fachkräfte bringen oft ein hohes Committment ein. Gleichzeitig ist die Arbeit von diversen Belastungen und Unsicherheiten begleitet. Erfolge und Misserfolge in der Arbeit sind aber auch dadurch bestimmt, wie es den Fachkräften persönlich geht, wie belastet sie sind und wie sie es schaffen, zusammenzuarbeiten und schwierige Situationen zu verstehen oder zu meistern. Projektträger haben eine doppelte Fürsorgepflicht – eine professionelle, reflektierte Praxis wie auch die psychosoziale Stabilität der Mitarbeiter zu unterstützen. Im Vortrag sollen Thesen zu den besonderen Herausforderungen der Arbeit in einem gesellschaftlichen Konfliktfeld und zu notwendigen Unterstützungsstrukturen entwickelt werden.
Kerstin Sischka

Kerstin Sischka, Dipl.-Psych. und M.A., studierte Psychologie, Soziologie, Politikwissenschaften und Pädagogik an der Freien Universität Berlin. Sie arbeitet seit 1999 zu Fragen der Radikalisierungsprävention. Von 2008 bis 2011 war sie in der wissenschaftlichen Begleitung von Projekten zur Arbeit mit rechtsextremismus-affinen jungen Menschen tätig. Seit 2011 arbeitet sie in der psychotherapeutischen Patientenversorgung. Sie ist wissenschaftlich sowie berufspolitisch aktiv in der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) e.V.

Gemeinsam mit psychotherapeutischen und wissenschaftlichen KollegInnen baut sie seit 2018 die Fachstelle Extremismus und Psychologie (FEB) mit dem Projekt NEXUS-Psychologisch-Therapeutisches Netzwerk Justiz und Extremismus auf. Die Fachstelle befindet sich in der Trägerschaft der Forschungsgruppe Modellprojekte e.V. und kooperiert im Wissensaustausch mit der Freudenberg Stiftung.
Das Projekt NEXUS bietet Beratung und Supervision für Fachkräfte im Justizkontext, schafft ambulante psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten für von Haft bedrohte und Haftentlassene (junge) Menschen, die radikalisierungsgefährdet sind oder einschlägige Straftaten begangen haben, und berät Familienangehörige. Zudem richtet NEXUS Workshops für die Berliner Bewährungshilfe zu psychologischen Fragen des Extremsmus aus.


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20. Mai 2019
15:00 - 16:45 Uhr
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