Polizei macht Schule – Wirksamkeit gewaltpräventiver Maßnahmen

11. Juni 2018
45 Minuten (Dauer)
17:00 - 17:45 Uhr
Vortrag
Prof. Dr. Janine Neuhaus
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Moderation: Torsten König
Landeshauptstadt Dresden

Abstract:
Provokationen und Bedrohungen stellen soziale Situationen dar, mit denen Jugendliche oft überfordert sind: Von Ärger getriebene, impulsive Reaktionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation von Gewalt. Eine Vermittlung von Fähigkeiten, die einen kompetenten Umgang mit Konflikten gewährleisten, stellt ein zentrales Element der Anti-Gewalt-Veranstaltungen (AGVen) der Polizei Berlin dar, die von Berliner Polizeibeamtinnen und –beamten, den so genannten Präventionsbeauftragten, seit den 90er Jahren an Berliner Schulen durchgeführt werden.
In dem vorliegenden Beitrag werden zentrale Ergebnisse einer Wirksamkeitsevaluation der AGVen vorgestellt, die auf Basis eines längsschnittlich angelegten Experimental- und Kontrollgruppen-Designs mit rund 1500 Schülerinnen und Schülern durchgeführt wurde. Die Ergebnisse zeigen signifikante Verbesserungen der trainierten Schülerinnen und Schüler auf Ebene ihres Handlungswissens, ihrer Einstellungen gegenüber der Polizei sowie ihrer Akzeptanz gewaltförderlicher Männlichkeitseinstellungen. Allerdings konnten diese Verbesserungen nur bei Schülerinnen und Schülern zeitstabil erhalten bleiben, die zu einem späteren Zeitpunkt zusätzlich an einer Auffrischungsstunde teilgenommen hatten. Implikationen zur Optimierung des Programms sowie Bedingungen der Zusammenarbeit von Schule und Polizei im Allgemeinen werden abschließend reflektiert.

Vita:
Janine Neuhaus wurde zum April 2017 an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin im Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement auf die Professur für Psychologie und Forschungsmethoden berufen. Zuvor war sie als Forschungsreferentin am Lehrerbildungszentrum der Universität Potsdam (10/2015-03/2017) und als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin (FU Berlin) tätig: im AB Schul- und Unterrichtsforschung unter Leitung von Prof. Dr. Bettina Hannover (09/2005-11/2007; 05/2008-04/2013; 10/2014-10/2015), im AB Public Health unter Leitung von Prof. Dr. Dieter Kleiber (07/2013-09/2014) sowie im AB Empirische Erziehungswissenschaften unter Leitung von Prof. Dr. Hans Merkens (07/2004-08/2005). 2007/2008 war sie Forschungsstipendiatin am Deutschen Jugendinstitut in Halle, Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Janine Neuhaus erhielt 2011 für ihre Promotion, in der sie den Einfluss von gewaltlegitimierenden Gendernormen und Merkmalen der Geschlechterkonstellation in Provokationssituationen auf das Aggressionsverhalten Jugendlicher untersucht hat, den Marie-Schlei-Preis des Fachbereichs Erziehungswissenschaften und Psychologie der FU Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Gender, Aggression, Evaluation und Gewaltprävention im Kindes- und Jugendalter. Sie ist Mitglied des Forschungsinstituts für öffentliche und private Sicherheit (FÖPS), der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) sowie der Gesellschaft für Evaluation (DegEval).