Symposion: Blick über den Tellerrand > Historische Rückblenden auf dem Weg von der Aussonderung zur Inklusion

Martin Auferbauer
Pädagogische Hochschule Steiermark

Aus der Perspektive heutiger Studierender pädagogischer Berufe wirkt die „Pädagogik“ des Nationalsozialismus wohl oftmals wie ein dunkles Kapitel aus einer lange abgeschlossenen Zeit. Insbesondere der auf Aussonderung bis hin zur Vernichtung des aus nationalsozialistischer Ideologie so genannten „lebensunwerten Lebens“ gerichtete Umgang mit Menschen, denen man aus medizinischen und/oder sozialen Gründen jegliche Rechte auf soziale Teilhabe absprach, stellt einen aus heutiger Sicht schwer begreifbaren Exzess dar. Dieses einmalige Verbrechen erscheint abgeschlossen und völlig losgelöst von den heutigen Realitäten pädagogischen und pflegerischen Handelns. Anhand der Biographie Friedrich Zawrels (1929-2015), eines Zeitzeugen des NS-Fürsorge und Überlebenden des Kinder-„Euthanasie“-Programmes am Wiener Spiegelgrund, soll die Beliebigkeit der sozialdarwinistischen Kategorisierung von Menschen, der verbrecherische Umgang von pädagogischem und medizinischem Personal mit Schutzbefohlenen, sowie die (in Österreich besonders stark ausgeprägte) Kontinuität von NS-Täter_innen in den Einrichtungen nach 1945 erfahr- und nachvollziehbar gemacht werden. Die Darstellung von Reaktionen angehender Lehrer_innen und Freizeitpädagog_innen auf die Dokumente des Zeitzeugen belegen zudem, dass konsequenter Einsatz für Menschen- und Kinderrechte sowie Inklusion in einer Zeit marktförmig orientierter Gesellschaften auch aus einer historischen Verantwortung heraus begründet werden kann und soll.
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