Präventionsethik

Dr. Frank Greuel
Deutsches Jugendinstitut, Außenstelle Halle
Frank König
Deutsches Jugendinstitut e. V.

Aufgabe von Jugendarbeit ist es, Kinder und Jugendliche als Subjekte in ihrer Lebenswelt zu begreifen und zu fördern. Mit diesem Anspruch schwer vereinbar sind (pädagogische) Maßnahmen, die Kinder und Jugendliche als "Objekte" von (ggf. moralischen) Belehrungs- oder Bekehrungsbemühungen betrachten und jugendliches Handeln vorrangig unter Gefährdungsaspekten bewerten. Derartige Maßnahmen werden nicht selten unter dem Label „Prävention“ geplant und durchgeführt. Anzunehmen wäre, dass solche Ansätze in einer auf Emanzipation und Aneignung gerichteten Jugendarbeit im Prinzip keinen Platz haben. Doch dem ist nicht so.
Vor allem Legitimationszwänge dieses Arbeitsfeldes der Kinder- und Jugendhilfe führen dazu, dass verschiedene Angebote der Jugendarbeit mit dem Versprechen antreten, als unerwünscht betrachteten Entwicklungen bei Kindern und Jugendlichen vorzubeugen.
Besonders frappierend ist eine solche Ausrichtung pädagogischen Handelns, wenn es hierbei nicht nur um ein bestimmbares problematisches Handeln geht, sondern um die vorbeugende „Ausrichtung“ von (z. B. weltanschaulichen) Überzeugungen, wie sie etwa in der Präventionsarbeit gegen rechtsextremistische Einstellungen in Aussicht gestellt wird.
Anhand von Beispielen aus der Begleitforschung zur pädagogischen Rechtsextremismusprävention diskutieren wir die ethischen und praktischen Implikationen dieser Präventionsorientierung.

verwandte Schlüsselbegriffe

Soziale Arbeit Prävention Rechtsextremismus Ethik Jugendarbeit Werteerziehung