"RESTORATIVE CIRCLES" - ein Ansatz mit radikaler heilsamer Wirksamkeit

Hannah Hartenberg
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft

Seit Mitte der 90er Jahre entwickelt der Brite Dominic Barter vor Ort mit Bewohnern der Favelas von Rio de Janeiro den Prozess der „Restorative Circles“ (RC). Aus persönlicher Betroffenheit und Ohnmacht gegenüber bestehenden Gewaltstrukturen suchten sie gemeinsam nach Wegen, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, und darüber hinaus Gemeinschaften zu ermöglichen, Konflikte eigenverantwortlich zu heilen. Entstanden ist eine Rechtspraxis, bei der nach Verletzung durch jegliche Gewalt nicht das Maß einer „gerechten“ Strafe gesucht wird, sondern in einem Raum "geteilter Macht" Heilung entsteht durch gegenseitiges Hören und Gehörfinden. Alle vom Konflikt Betroffenen tragen zu einem Handlungsplan bei, der ein Wachsen der Menschlichkeit innerhalb der Gemeinschaft ermöglicht. Inzwischen sind Barters Projekte in 5 Gerichtssystemen, 8 Jugendgefängnissen, 5 Gemeinden und 90 Schulen innerhalb Brasiliens implementiert. In 16 Gemeinden und 300 Schulen sind sie im Aufbau. Die Zufriedenheit der Beteiligten liegt bei 96%, im Vergleich zu unter 15% bei herkömmlichen Gerichtsverfahren. Werden RC zusätzlich zu konventionellen Strafen angewendet, ist die Rückfallrate bis zu 60% niedriger als bei herkömmlichen Verfahren.
Erste Aufmerksamkeit ausserhalb Brasiliens fanden die RC beim Weltsozialforum 2005 und im NESTA Report 2010.
Dieser wirksame Ansatz könnte auch in Deutschland zu neuen Wegen führen.