Kann man amerikanische Präventionsprogramme in Europa einsetzen?

Gregor Burkhart
European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA)

Die Europäische Präventionslandschaft unterscheidet sich von der Nordamerikanischen darin, dass manualisierte Programme hier kaum eingesetzt und noch weniger evaluiert werden. Nordamerikanische Programme haben oft ihre Wirksamkeit bewiesen, aber sind häufig komplexer und anspruchsvoller als die eher intuitiven Maßnahmen in Europa. Im deutsch- und französisch-sprechenden Raum wird der Widerstand gegen solche evidenzbasierten Programme damit begründet, dass sie bei uns einfach nicht funktionieren könnten, weil die kulturellen Unterschiede zu groß seien oder ihre theoretischen Fundierungen nicht anwendbar. Die EMCDDA hat die Implementierung in Europa von 4 nordamerikanischen Präventionsprogrammen analysiert: CTC, GBG, SFP und Preventure. Alle vier Programme konnten ohne größere Probleme in Europa eingesetzt werden. Von den Problemen bei der Implementierung waren gerade kulturelle Aspekte am wenigsten relevant bzw. am einfachsten durch Änderungen von Symbolen, Worten und Beispielen zu lösen. Weit mehr wiegen strukturelle Faktoren wie die Organisation des Schulwesens und die Kooperationsfähigkeit der jeweiligen Gesellschaft. „Kulturelle Inkompatibilität“ scheint ein vages Klischee zu sein, und Präventionsfachleute sollten Ihre Aufmerksamkeit bei der Adaptierung allochthoner Programme eher auf konkrete Elemente wie institutionelle Strukturen und vor allem Soziales Kapital legen.

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Suchtprävention Kultur