Lustvolles Fitnesstraining - der Weg zu guten Schulnoten

Prof. Dr. Christian Pfeiffer
Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) e. V.

In Naperville, einer Kleinstadt in der Nähe von Chicago, absolvieren seit vielen Jahren alle ca. 21.000 Schülerinnen und Schüler pro Schultag ein abwechslungsreich gestaltetes Fitnesstraining. Die Sportnote gibt es an diesen Schulen nicht mehr dafür, wie schnell man 100 Meter gelaufen ist oder wie gut man am Barren turnt. Stattdessen orientiert sich die Note an der individuellen Verbesserung der eigenen Fitness, die am Anfang und am Ende des Jahres gemessen wird. Natürlich gibt es an diesen Schulen nach wie vor Unterricht in allen möglichen Sportarten – vom Rugby über Volleyball bis hin zum Tischtennis oder Bogenschießen. Aber all das sind Angebote für den Freibereich der Schule, in dem die Kinder nachmittags ab 15.30 Uhr selber entscheiden können, ob sie daran teilnehmen und was sie im Einzelnen auswählen.
Die Erfolgsbilanz der Naperville-Schulen ist beeindruckend: Sie haben den weltweiten TIMS-Wettbewerb gewonnen und den Mathematikwettbewerb der USA. Sie haben mit ihren Mannschaften und Einzelkönnern große Erfolge bei den für die USA typischen Vergleichswettkämpfen von Schulen erzielt. Die Quote der Schüler, die übergewichtig sind, liegt mit nur 8,5 Prozent deutlich unter dem Durchschnittsniveau der USA von 24 Prozent. Die Gewalt an den Schulen ist seit Einführung des Programms vor mehr als 10 Jahren schrittweise auf ein Niveau gesunken, das in den USA selten anzutreffen ist. Prof. Dr. John Ratey (Harvard University) preist in seinem Buch „Superfaktor Bewegung“ den Schulversuch als den richtigen Weg zur Förderung von Leistungsstärke und Persönlichkeitsreifung. Nicht überraschend hat sich beispielsweise herausgestellt, dass die Reihenfolge „Erst Fitness, dann Mathematik“ zu besseren Mathenoten führt, als wenn man den Schultag mit Mathematik beginnt und das Fitnesstraining später nachfolgt. Prof. Ratey weist ferner darauf hin, dass die Leistungskraft des Gehirns wesentlich von der Vernetzung der Synapsen abhängt. Letzere wird aber durch Bewegung stark gefördert.
Angesichts dieser positiven Wirkungen ist es nicht überraschend, dass auch in Deutschland das Interesse daran gewachsen ist, das Konzept von Naperville im Rahmen von Modellversuchen zu erproben, die von Forschung begleitet werden. Insbesondere die Bundesländer Bayern und Niedersachsen haben Interesse daran bekundet, hier aktiv zu werden.

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