27.05.2015

Buch – Veröffentlichung „Knast trotz Jugendhilfe? Prävention mit jungen Strafgefangenen“

„Knast trotz Jugendhilfe? Prävention mit jungen Strafgefangenen“, das ist nicht nur der Name eines bereits mehrfach ausgezeichneten Wiesbadener Beteiligungs- und Präventionsprojektes, sondern auch der Titel einer Buchveröffentlichung, die jetzt zum 20. Deutschen Präventionstag am 08. und 09. Juni in den Frankfurter Messehallen mit dem Schwerpunktthema „Prävention rechnet sich - zur Ökonomie der Kriminalprävention“ erschienen ist.

Hauptteil des Buches sind 179 Botschaften junger Strafgefangener aus der JVA Wiesbaden an die Jugendhilfe zu den Bereichen Allgemeine pädagogische Empfehlungen, Strafen, Drogen, Eltern / Familie, Schule, Jugendamt, Jugendarbeit / Erziehungshilfen. Eine Auswahl von  43 Botschaften wird vorgestellt jeweils  mit dem die Botschaft begründenden Lebensweg des Inhaftierten ins Gefängnis,  mit seinem handschriftlichen, nur mit Vornamen, Alter und Strafmass versehenen Präventionstext  so wie mit mindestens einem wirkungsvollen Antwortbrief eines Schülers, einer Schülerin oder eines  anderen Außenstehenden, ebenfalls nur mit Vornamen und Alter versehen. Diese Botschaften und Präventionskorrespondenzen, illustriert mit Porträtskizzen des Projektleiters und Herausgebers, Arnd Richter,  wurden vom jeweiligen Strafgefangenen ausdrücklich zur Veröffentlichung frei gegeben. 

Darüber hinaus  enthält das Buch eine Projektbeschreibung, Erfahrungsberichte und eine Anwendungsempfehlung für die Präventionsarbeit in Schule, Ausbildung, Jugendarrest und Gruppen der offenen Jugendarbeit.

Die Frage der Altersgrenze der zu beteiligenden Schülerinnen und Schüler, die, beginnend bei der 8. Jahrgangsstufe, lag,  hatte zu einem Dissens mit der Anstaltsleitung geführt, begründet vor allem mit der Sorge, dass sich die jungen Schülerinnen und Schüler zu stark mit den Strafgefangenen identifizieren könnten. Arnd Richter sah sich mit der Vorgabe, nur noch Volljährige, bzw. höchstens 16 jährige Schülerinnen und Schüler zu beteiligen, nicht mehr in der Lage,  authentisch  mit den jungen Strafgefangenen für eine präventive Jugendhilfe zusammen zu arbeiten und beendete die Projektarbeit in der Anstalt.

Unbestritten bei allen Beteiligten bleibt die Einschätzung, dass die glaubwürdige Partizipation junger Strafgefangener bei der Kriminalprävention ihre resozialisierende Persönlichkeitsbildung und Integration fördert. Auch erweist sich durch die vorliegenden Briefe, dass sich junge Menschen in Schule, Ausbildung und Jugendhilfe stark beeindrucken lassen von den warnenden Botschaften der inhaftierten Projektmitarbeiter. Die Frankfurter Präventionsabteilung des Polizeipräsidiums arbeitet deshalb mit den vorliegenden Botschaften und Präventionsbriefen  weiterhin erfolgreich mit 8. Jahrgangsstufen in Frankfurter Schulen zusammen.

Die Buch - Veröffentlichung erfolgt beim Forum Verlag Godesberg in Form der Books on Demand.  Sie wird getragen vom Wiesbadener Projektträgers HUjA e.V. (Hilfe und Unterstützung junger Arbeitsloser), der Frankfurter Gesellschaft Bürger und Polizei, dem Hessischen Netzwerk gegen Gewalt, dem Frankfurter Polizeipräsidium und dem Deutschen Präventionstag. Der Projektträger  kann ein begrenztes Kontingent mit den Erstellungskosten von 18 € vergeben. Der Ladenpreis beträgt 39 €. Beim Projektträger kann eine ergänzende CD angefordert werden mit Schüler – Statements von den Tagen der Jugend im Wiesbadener Rathaus so wie mit dem HR Beitrag zur Verleihung des Hess. Integrationspreises 2010.

Die Veröffentlichung wurde vor allem durch die engagierte Förderung der Frankfurter Gesellschaft Bürger und Polizei ermöglicht.

HUJA e.V. erhofft sich durch das Buch und die  Mitwirkung  auf dem bevorstehenden Deutschen Präventionstag mit einem Projektspot und einer Sonderausstellung, dass sich die Idee verbreitet, die Erfahrungen von Lebenswegen junger Strafgefangener stärker für die Jugendhilfe und Prävention zu nutzen. Der Wiesbadener Stadtverordnetenvorsteher, Wolfgang Nickel, hat in einem Appell am Ende des Buches seine koordinierende Unterstützung für neue Ansätze dazu in Wiesbaden angeboten.

Aus dem Vorwort des Buches:

„ wir maßen uns als ein kleiner Wiesbadener Jugendhilfeträger mit dem Präventions- und Beteiligungsprojekt „Knast trotz Jugendhilfe?“ nicht an, die Jugendhilfe mit ihren vielfältigen kriminalpräventiven Kompetenzen, Initiativen und Projekten in Gänze zu beurteilen. Deshalb achten wir bei Korrespondenzen oder Medienberichten auch immer darauf, dass das Fragezeichen in dem Projekttitel nicht weggelassen wird – was immer wieder geschieht.

Das Fragezeichen bringt den wesentlichen Projektinhalt zum Ausdruck: Das Lohnende des voneinander Lernen Könnens, gerade auch von und mit jungen Strafgefangenen! Als Symbol für eine durch individuelle Erfahrungen und Einschätzungen junger Menschen geprägte, kreative Dialogform zwischen Jugendstrafanstalt, offener Jugendarbeit, Schulen, Ausbildungsinstituten und Arrestvollzug hat sich das Fragezeichen bewährt. Wir wünschen uns dazu bei der Lektüre der folgenden Materialien Ihr kritisches und weiterführendes  Interesse.“

Wolfgang Schmidt / Arnd Richter

HUjA e.V.

Vorsitzende

 

Wiesbaden, 23. Mai 2015