Radikal ICH – Prävention durch Identitätsstärkung?

21. Mai 2019
11:00 - 11:45 Uhr
Forum: „Demokratie leben!“
Estrel-Saal A
Ein Beitrag aus
Forum: Demokratie leben!
Psychosoziale und -therapeutische Ansätze in der Präventionsarbeit
weitere Beiträge:
Larissa Sander
Drudel 11 e.V.

Moderation: Melanie Kamp
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Abstract:
Radikale Gruppierungen teilen unabhängig ihrer Ausrichtung ein gemeinsames Merkmal: Die Bereitschaft, im Dienste einer „höheren Sache“, Gewalt anzuwenden und persönliche Werte den Gruppenwerten unterzuordnen. Dabei ist es nicht zwingend von Belang, ob die „höhere Sache“ eine Religion, eine politische Einstellung oder völlig anders geartete Motive wie Umweltschutz darstellt. Auch Gewaltbereitschaft erstreckt sich auf einem Spektrum, das von Gewalt bei Demonstrationen bis hin zu terroristischen Aktivitäten reicht. Mitglieder radikaler Gruppierungen scheinen in ihrer Identität mit der Gruppenidentität zu verschmelzen. Persönliche Grundbedürfnisse wie Sicherheit und körperliche Unversehrtheit werden im Kampf um die Zielerreichung hintenangestellt.
Welche Rolle spielen also Selbstwahrnehmung und Identität im Radikalisierungsprozess? Und welche Interventionsmöglichkeiten ergeben sich hieraus? Anhand eines praktischen Beispiels aus dem Bereich Strafvollzug sollen Möglichkeiten und Grenzen zur Radikalisierungsprävention und Deradikalisierungsarbeit durch Identitätsstärkung diskutiert werden. Vorangestellt werden Überlegungen über die generelle Wirkung von Gruppenprozessen auf die Selbstwahrnehmung und den Nutzen sozialer Gruppen für die Identitätsbildung.
Larissa Sander
Larissa Sander studierte von 2014-2017 Psychologie an der FSU Jena. Nach ihrem B.Sc. Abschluss im Sommer 2017 begann sie ihre Laufbahn bei dem Jenaer Verein Drudel 11 e.V. im Modellprojekt "Zentrum Deradikalisierung im Thüringer Strafvollzug". Frau Sander ist in den Bereichen Entwicklung und Umsetzung pädagogischer Angebote und Maßnahmen tätig. Zudem wirkte sie 2018 an Veröffentlichungen in den Zeitschriften "Deutsche Jugend" und "Bewährungshilfe" sowie diversen Öffentlichkeitsauftritten und Vorträgen des Modellprojektes mit, beispielsweise auch auf dem Deutschen Präventionstag 2018 in Dresden. Seit Oktober 2018 studiert Frau Sander im Masterstudiengang Psychologie an der FSU Jena im Schwerpunkt "Psychologie in Arbeit, Bildung und Gesellschaft".