Stellenwert der Präventionsforschung bei europäischen Praktikern und Entscheidungsträgern

Gregor Burkhart
European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA)

Die Impulse der nordamerikanischen Präventionsforschung (SPR) haben einen großen Beitrag dazu geleistet, die Prävention in Europa zunehmend auf eine rationale und wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Allerdings stützt sich die Forschung in den USA stark auf manualisierte Programme der Universalprävention, ohne das Konzept der Schadensminderung zu berücksichtigen. Die Europäische Gesellschaft für Präventionsforschung (EUSPR) wurde 2010 gegründet, um die wertvollen Ansätze der SPR auf die europäische Realität anzuwenden und weiterzuentwickeln. Europäische Präventionssysteme zeichnen sich durch größere Nähe zum Therapie- und Hilfesystem aus, und legen dadurch viel mehr Gewicht auf selektive und indizierte Prävention sowie akzeptierende Ansätze. Die Verhältnisprävention ist in vielen Ländern, so auch in Deutschland, wenig entwickelt. Der Austausch und die Verbreitung neuer, allgemeingültiger Erkenntnisse der Präventionsforschung soll Ansätze vorantreiben, die für die Prävention multipler riskanter Verhaltensweisen (Substanzkonsum, Gewalt, Delinquenz, Sexualverhalten und Übergewicht) wichtig sind. Um diese Erneuerungen auch jenseits der jährlichen Konferenzen in komplexeren und vielfältigeren Präventionssystemen in Europa zu verankern, entwickelt die EUSPR eine Reihe von Trainingsprogrammen für Praktiker, Studierende und lokale Entscheidungsträger.